Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 19 (1916)
- Issue
- 1-4 (1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 43 (sequence 45)
- Language
- German
- Belongs to
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— 43 — der Kechten, die Erde mit der Linken schuf, während er sich zur Errichtung des Heiligtums beider Hände bediente2). Bei der Schöpfung entstand zuerst Wasser, dann Licht und endlich Feuer. Das Feuer war zur Rechten, das Licht zur Linken Gottes und unter ihm das Wasser2). Neben Gott haben auch die Patriarchen Verdienste um die Erhaltung der Welt. Die untere Welt war noch nicht vollkommen, bis Abraham kam und ihre Rechte ergriff, wie man die Rechte des Fallenden ergreift; dann kam Isak und ergriff ihre Linke, da wurde sie standhafter; endlich kam Jakob und ergriff ihre Mitte, den Körper, da erst stand sie fest3). Daß Jakob die mittlere Säule zwischen Abraham und Isak repräsentiert, wird auch in der h. Schrift bildlich ausgedrückt: Der mittlere Riegel zwischen den Brettern durchriegelt von einem Ende bis zum anderen4.). Samael griff den Patriarchen Jakob zur rechten Seite an, sah aber hier Abraham mit der Kraft der „Gnade" gerüstet; zur linken stand Isak mit der Gewalt des „Gerichtes" bewaffnet, der Körper — Jakob — war also von beiden Seiten geschützt. Auch an seinem Sterbebette stand Abraham zur Rechten, Isak zur Linken5). Und weil Abraham die rechte Seite, Isak die linke vertritt, mußte er seinen Sohn am Altare binden, um zu demonstrieren, daß die Rechte über die Linke herrscht und daß die Rechte auch die Linke in sich faßt6). Da ferner die Rechte auch die Linke in sich faßt, gesellt sich das Gericht stets mit der Barmherzigkeit, wie dies der Gottesname elöhim zeigt, dessen erster Teil rechts die Gnade, der zweite links das Gericht ausdrückt7). Dieser Verbindung der Rechten mit der Linken hat auch das erste Heiligtum seine Entstehung zu verdanken. Denn Bezalel stammt vom Stamme Juda, das ist von der rechten, Ahaliab vom Stamme Dan, von der linken Seite und aus der Vereinigung dieser beiden entstand das Heiligtum in der Wüste, wo Moses die *) Midr. T,ü Buber 199. Je3. 48, 13 heißt es nämlich: Meine Hand gründete die Erde, während vom Heiligtum gesagt wird: Das Heiligtum, Gott, gründeten deiDe Hände, Ex. 15, 17; Mecb. n^ttn 51 b; Weiß, eine andere Version, wo von der Schöpfung des Himmels keine Rede ist. 2) Midr. Konen 1. Sefer Raziel 8 b. 3) Zohar III 117 a. Raja Mehemna II 120 a. III 247 a wird Je?. 48, lä auf Isak, ^fti auf Abraham bezogen. 4) Ex. 26,28; Sohar I 146 a, 148b. 5j das I 146 b, I 135 b. 6) Njittra tf^Etö das. II 257 a. Nach kabbalistischem System kann eine Sephira nicht unabhängig, sondern immer nur mit Hilfe der übrigen wirken, das heißt, die eine ist in der anderen enthalten. Dies Prinzip findet sich im Zohar konsequenter durchgeführt. 7) Das. II 159 a f. rechts, b^n^ links und das Tetragrammaton in der Mitte, an diesen drei Namen hängt die Welt und ihre Geschöpfe. Dies enthält auch der Vets: Alle Heere des Himmels standen um ihn zu seiner Rechten und Linken (l. Kö. 22, 19;) Sefer Schaar Orah 51a.