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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1915-01-01 · 1-4 (1915) · p. Seite 42

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
19 (1916)
Issue
1-4 (1915)
Date
1915-01-01
Page
Seite 42 (sequence 44)
Language
German
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— 42 — Kabbala. Das ganze System der Kabbala fließt aus den zehn Sephiroth, dem kabbalistischen Baume, der die Verbindung Gottes mit dem Universum gleichsam wie durch Kanäle vermittelt. Gott wirkt nicht unmittelbar auf die Schöpfung, sondern läßt seinen Willen durch die Sephiroth wirken. Und da Gott nicht nur Gnade an seinen Geschöpfen übt, sondern über sie auch Strafe verhängt, so muß es natürlicherweise für beide Fälle auch entsprechende Sephiroth geben. Diejenigen, welche das Prinzip der Gnade vertreten, werden „die rechte Seite" (siträ dijeminä), das Prinzip der Strafe „die linke Seite" (sitra disemälä) genannt. Sie werden auch in männliche und weibliche Attribute eingeteilt. Diese Prinzipien dürfen aber niemals allein, unabhängig von einander wirken, sondern bedürfen stets eines vermittelnden Prinzips und dieses bildet „die Säule der Mitte" (ammuda diemzelthä). Auf der rechten Seite sind: Weisheit, Gnade, Triumph, und sie wird daher auch „Säule der Gnade" genannt:, auf der linken Seite stehen: Verstand, Gericht und Glorie, die „Säule des Gerichtes". Diese zwei Säulen heißen auch rechter und linker Arm. Die ersten werden durch die „Krone"r die zweiten durch die „Schönheit", die dritten durch den „Grund" verbunden. Die erste Gruppe: rechts die Weisheit, links die Vernunft, wird auch als Anfang der Entwicklung „Vater und Mutter" genannt, weil aus ihrer Vereinigung das ganze Universum entsteht. Selbstverständlich ist demnach alles Gute der rechten Seite des Baumes, alles Böse der linken zuzuschreiben. Diesen Gedanken fuhrt die Kabbala vom Anfang der Schöpfung durch die ganze Geschichte der Menschheit und des Weltalls durch. Die Schöpfung geschah mit der Rechten und Linken1). Als Gott am zweiten Tage den Himmel schuf, indem er das Wasser teilte, entstand ein Streit zwischen der Rechten und Linken und dieser Streit hat die Hölle geschaffen. Da legte sich der dritte Tag als verbindende Säule ins Mittel, die Hölle sank in die Tiefe, die Rechte und Linke verbanden sich und der Friede ward wieder hergestellt2). Mit „Weisheit" hat Gott die obere und untere Welt geschaffen. Er streckte seine Rechte aus und schuf die obere, die Linke und schuf die untere Welt, wie dies aus Jes. 48, 13 deutlich hervorgeht3). Auch aus dem ersten Verse der h. Schrift folgt, daß Gott mit seiner Rechten die Himmel, mit der Linken die Erde geschaffen, und wenn der Prophet von Himmel und Erde sagt, daß sie zusammen bestehen, so bezieht sich dies eigentlich auf die Rechte und Linke Gottes4). Welch hohen Wert das Heiligtum bei Gott hat, geht schon aus dem Umstand hervor, daß er den Himmel mit ') fi6aw3tDm txnby "nana "pm* Ynra Sohar I 30 a. -) das. 17 a. 8) das. 20 a. Aus Ps. 104, 24 folgt, daß die Schöpfung durch die Weisheit entstand. 4) fi&ttM) 8*7 DJO 'fT'n'pi fcttifci KT na das II 37a, 83 b. Jes. 48, 13.

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