Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 19 (1916)
- Issue
- 1-4 (1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2638044-2638071-2638072--1747-2639119- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— 35 — 'das Wasser zuerst auf die Rechte1). Nach dem Waschen schreite iaan an die Erfüllung der religiösen Gesetze: an das Kleid mit den Schaufäden. Sobald dies angelegt wurde, lese man das Schema-Gebet. Zuerst nehme man die Schaufäden in die Rechte, dann in die Linke dem Herzen gegenüber, denn es heißt (Dt. 6, 6): Diese Worte, welche ich dir heute befehle, sollen auf deinem Herzen sein2). Auch die Phylakterien müssen darum auf den linken Arm angelegt werden, weil dieser dem Herzen gegenüber ist. Wie wir aber oben sahen, ist die linke als die „schwache Hand* auf exegetischem Wege zu dieser Würde gelangt. Der Linkser legt die Tefillin natürlich auf den rechten Arm. Wer aber mit der Rechten schreibt, wenn er auch andere Arbeiten mit der Linken verrichtet, wird nicht als ein Linkser betrachtet und muß die Tefillin am linken Arm anlegen3).' Die herabhängenden Riemen der Phylakterien dürfen nicht gleicher Länge sein. Der rechte soll bis zum Nabel, der linke bis zur Brust oder bis zum Herzen reichen4). Ueber die Reihenfolge der vier Perikopen, nach welcher sie im Häuschen der Tefillin zu ordnen sind, welche nämlich rechts und welche links zu liegen haben, ist der Streit zwischen Raschi und seinem Enkel R. Tarn nicht ausgetragen, daher wird den Frommen empfohlen, beiden Anforderungen zu entsprechen5). Im secessus muß man die Phylakterien ablegen, sie wie ein Buch (Thorarolle) zusammenrollen und in der Rechten dem Herzen gegenüber halten. Hier findet die Rechte darin ihre Berechtigung, weil man die Linke anderweitig braucht6). *) Or. Chaj. 4, 10 Mag. Avr. Der Braach stammt aus dem Sohar, wo es au einer Stelle I 198b heißt: Mau wasche die Rechte mit der Linken, um damit die Herrschaft der Rechten über der Linken auszudrücken. Üa vertritt die Linke den bösen Trieb, dem kein Recht eingeräumt werden darf. Aber an einer anderen Stelle befiehlt der Verfasser des Sohar gerade das Gegenteil zuerst die Linke von der Rechten bedienen zu lassen II 154b. Diesen Widerspruch gleicht Josef Karo dadurch aus, daß er das Gefäß in die Rechte nehmen und der Linken übergeben läßt, oder er unterscheidet das Händewascben nach dem Aufstehen von dem vor der Mahlzeit. Im ersten Falle gebührt der Rechten, im zweiten der Linken der Vorzug. Beth. Joßef. Tur. Or. Chaj. 4. 2) Sch. Ar. Or. Oaaj. 24, 2 Mag. Avr. Anlaß dazu gibt Ps. 35, 10: Alle meine Glieder sprechen: Ewiger, wer ist wie du. Mit der Rechten schreibe ich und jeige die Akzente der Thora; auf die linke Hand binde ich die Tefillin und mit derselben halte ich die Schaufäden während des Schema-Lesens, Midr. Til. Buber z. St. Beth Joßef Or. Chaj. 24. 3) Tur Or. Chaj. 27 Sch. Ar. 25, 5, 27, 1. 6. Daß der mit der Rechten Schreibende nicht für einen Linkshänder gehalten wird, folgt daraus, weil ümopi und ümröl nebeneinander stehen und dies will sagen: Wie das Schreiben mit der Rechten geschieht, so muß auch das Binden (der Tefillin) mit der Rechten geschehen. Diese Ansicht wird aber durch rtnD widerlegt, da es nicht von der ■Schrift, sondern davon abhängt, welche die schwächere Hand ist. S.Beth. Josef z. St. 4) Tur. Or. Chaj. 27. Toßaf. Menach 35b 'TWon noch andere Ansichten in bezug auf die Länge der Rieneu. s. M. Vitry 641. 5) Tur Or Chaj. 34. Es handelt sich um die Stelle in Menach. 84b, wo von der rechten und linken Seite gesprochen wird, aber nicht entschieden istr •ob man die Rechte des Lesenden, oder des Tefillin Legenden zu verstehen habe. 6) Ber. 23a Tur Or. Chaj. 43, Sch. Ar. 43, 5.