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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1915-01-01 · 1-4 (1915) · p. Seite 34

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
19 (1916)
Issue
1-4 (1915)
Date
1915-01-01
Page
Seite 34 (sequence 36)
Language
German
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— 34 — zu legen ist1). Und wahrscheinlich hätte man auch ohne die willkürliche Deutung von Ps. 45, 10: Deine Gattin steht zu deiner Rechten, die Braut während der Trauung zur Rechten des Bräutigams stehen lassen2). Ebenso wird erst in späterer Zeit darauf aufmerksam gemacht, daß der Scheidebrief mit der Rechten geschrieben werde, auch der Doppelhändige muß die Rechte gebrauchen, aber der Linkser darf mit der Linken schreiben3). Ob aber der Mann den Scheidebrief der Frau mit der rechten überreiche, darüber wird nicht gesprochen. Wie der Scheidebrief, so müssen auch die Thora, Mezuza, Phylakterien — mit Ausnahme des Linksers — mit der Rechten geschrieben werden4;. Das Schreiben wird allgemein als solches betrachtet, wenn es mit der Rechten geschieht, daher entweiht nur derjenige den Sabbat, der zwei Buchstaben mit der Rechten schreibt. Für den Linkser und Doppelhändigen gilt dies von der Linken5). Wenn man nach Vorschrift leben will, hat man viele Gesetze zu beobachten, wo bald die Rechte, bald wieder die Linke gebraucht werden muß. Sobald man das Nachtlager verlassen hat, vergesse man nicht, daß zuerst die rechte Seite zu bekleiden sei6). Wie bereits erwähnt wurde, geht beim Ankleiden der rechte, beim Entkleiden der linke Schuh voran. R. Jochanan gibt beim Anziehen der Schuhe dem linken das Vorrecht und beruft sich auf die Phylakterien, wo auch dem linken Arm der Vorzug gebührt. Der Streit wird endlich durch ein Kompromiß geschlichtet, wonach beide ihr Recht behalten. Der rechte Schuh wird erst angezogen, aber nicht gebunden; dann der linke angezogen und gebunden, endlich der rechte gebunden. So erhält der rechte den Vorzug, zuerst augezogen, der linke, zuerst gebunden zu werden7). Später wurde diese Ordnung auch auf die Kleider ausgedehnt. Man bekleide zuerst die rechte Seite des Körpers und denke beim Bekleiden der linken Seite stets an die Wichtigkeit der rechten8]. Nun folgt das Waschen. Da muß folgende Ordnung eingehalten werden*. Man nehme das Gefäß in die Rechte, dann in die Linke und gieße *) Low, die Finger 20. Nach griechischer Sitte pflegte der Bräutigam der Braut als Unterpfand einen Ring zu geben, den diese am vierten Finger der linken Hand trug. Magyar Zsidö Szemle J 914, J 56. 2j Maharil 83. Auch soll das Brautpaar mit dem Rücken gegen Norden, mit dem Antlitz gegen Süden stehen. Das. ») Seder Gittin 75 § Eben Haez. 123 1. 4) Joreh Deah 271, 7. 288, 12; Or. Chaj. 12, 5. 5) So wird Sabb. 103a die Mischnah: *pn "ir'OTl "pn mvnN SrVDt-J ^KttlZ» erklärt. 6) Or. Chaj. 2, 3. Mag. Avr. T) Sabb. 61a. M. Der Erez. 10. Sch. Ar. Or; Chaj. 2, 4. 5. 6) Midr. Talpij. 125 a.

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