Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 19 (1916)
- Issue
- 1-4 (1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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- 28 — Hatte man im Räume einen Punkt festzusetzen, so mußte man ausdrücklich sagen, ob nördlich oder südlich. Wenn jemand z. B, sagt: Die Teruma dieses Haufens liegt darin, so hat dies keine Geltung, bis er genau bestimmt, ob im Norden oder Süden des Haufens1). Beim Tode des Ab beth din (Oberhaupt des Kollegiums) wechselte man im Gotteshause die Plätze. Wer nördlich zu sitzen pflegte, setzte sich auf die entgegengesetzte Seite und umgekehrt2). Ein alter Gelehrter bedauert den großen Verlust, der Israel durch die Verfluchung der Schlange getroffen hat. Hätte sie gehen können, so stünden jedem zwei gute Schlangen zur Verfügung. Eine könnte er nach Norden, die andere gen Süden schicken, um Edelsteine und Perlen zu holen3), Gott schuf nichts am ersten Tage, damit man nicht sage, Michael dehnte (die Welt) gegen Süden, Gabriel gegen Norden und Gott in der Mitte4). Auch Moses fragt Gott: Wenn jemand einen Menschen im Norden oder Süden unabsichtlich tötet, woher weiß er, wo die Zufluchtsstätte ist5). ' (Schluß folgt.) J) M. Ter. 3, 5. s. noch die verschiedenen Eventualitäten in bezug auf Erab Erub. oO b j. Erub III 21b, 29; Bezah 37 b. — 2j Moed Katan 22 b. 3) Sanh. 5y b. Was ü^m^D ist, weiß auch Krauß nicht, Lehnw. II 400. 4) Jalk. Jes. 460. — 5) Nu. r. 2.3, 13. Andere Fälle, wo "ps£ und hm als Richtung angegeben sind: M. Peah III 5. ToLS. Erub. 4. Midr. ha-Gadol I 41 Hoffm. j. Jeb. XV 14 d. 12; 15 a vi. Ket XI 34 b j. Git V 47 b, 54 j. Nazir III 52 d, 62 j. Kid I 60 d j. B. bathr. III 13 d, 58. IX 17 a, 82 j. Sauh. V 22 d, 39 j. Hör. Ende. Dm allein M. Bb. VII 4. Bücherschau. GronciuaiiD, S.5 Genealogische Stjdien über die alten jüdischen Familien Hannovers. Berlin 1913, Loui3 Lamm. Diese rpife Frucht gründlicher Studien liefert nicht allein für die Geschichte der Gemeinde Hannover eine unentbehrliche Vorarbeit. Dank den vielfachen Verbindungen der hier behandelten Familien mit Juden anderer Städte und Länder fallen auf Schritt und Tritt Streiflichter auch auf weiter entlegene Gebiete der jüdischen Geschichte. Eine Bereicherung der jüdischen Volkskunde bilden insbesondere die Grabschriften, in denen sich das innere Leben der Juden wiederspiegelt. Selbst dem Laien wird gelegentlich gebotene Aufhellung der Familiengeschichte Heinrich Heines, der Beteiligung von Juden am Kriegsdienst und anderer allgemein beachtenswerter Gegenstände da verdienstliche Buch wertvoll erscheinen lassen. Meisl, J.? Die Juden im Zartain Polen. Bonn 1916, A. Marcus u. E, Webers Verlag, M. 1,80 — Agiiou, S. J, u. Eliasberg-, A., Das Buch von den polnischen Juden. Berlin 1916. Jüdischer Verlag. Während Meisl dieser für weite Kreise Westeuropas durch die Ereignisse des Weltkrieges zum ersten Male erschlossenen Kulturwelt einen vortrefflichen umfassenden Ueberblick über ihren geschichtlichen Werdegang widmet und daraus das Postulat ihrer selbständigen Weiterentwicklung ableitet, erschließt ucs das zweite Buch in herzorfreuend gemütvoller und verständnisinniger Darstellung, zumeist mit Benutzung einschlägiger Vorarbeiten die ganze Tiefe des Empfindungslebens und die erstaunliche Gedankenhöhe und Charakterstärke der polnischen Judenheit in ihren berufenen Vertretern. Beiden Büchern ist zur Förderung einer gerechten Würdigung dieses Märtyrervolkes Verbreitung und praktische Würdigung zu wünschen. M.