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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1915-01-01 · 1-4 (1915) · p. Seite 27

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
19 (1916)
Issue
1-4 (1915)
Date
1915-01-01
Page
Seite 27 (sequence 29)
Language
German
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bestehende Sitte, daß man ein Tuch an der Thüre anbrachte, wenn man geneigt war Gäste zu empfangen, sonst wurde das Tuch herabgenommen. Es scheint aber, daß ein solches Tuch stets an der Türe angebracht war; wenn man nun keinen Gast zu empfangen wünschte, so drehte man das Tuch von der linken auf die rechte, oder von der rechten auf die linke Seite um. Das Hauptziel dieses Zeichens war, daß die eintretenden Gäste nicht beschämt umkehren müssen1). R. Akiba lehrt uns eine andere Anstandsregel, welche er nebst zwei anderen von R. Josua lernte. Man soll sich nicht mit der Rechten, sondern mit der Linken säubern. Dafür werden mehrere Gründe angeführt: Weil mit der Rechten die Thora gegeben wurde; weil sie nahe zum Munde ist, d. h. man pflegt diese dem Munde zuzuführen; weil man mit dieser die Gebetriemen anlegt; weil man damit die Worte der Thora zeigt; weil man mit ihr zu essen und zu schreiben pflegt2). Ferner gehörte es zum Anstand, daß man beim Anziehen des Schuhes mit dem rechten, beim Ausziehen mit dem linken beginne. Ebenso ist beim Waschen und Salben die rechte Hand zu bevorzugen3). Erwähnung verdienen auch einige Redensarten, die allgemein im Umlaufe waren. Da ein Gegenstand gewöhnlich mit der rechten Hand übernommen wurde, so lautete der Ausdruck: Die Rechte ist bereit zu nehmen4). Wenn man jemandem etwas gab und dann wieder zurücknahm, da sagte man: Er gibt aus seiner Rechten in seine Linke, gibt also nichts5). Bei einem Unglücksfalle zugleich Trost finden heißt: Man trauert zur rechten und freut sich zur linken Seite. Die zehn Märtyrer trauerten ob des bevorstehenden grausamen Todes, freuten sich aber, daß sie des Martyriums gewürdigt werden6). *) B. bathr. 93a. Die Varianten lauten: rrS^D *"f2l2 mtn Ü^rTPZI fiital j- Dem. IV 24 a, abwzvb fiöW frfytt ^Sltt WTi üte'TCn j. Az. I 39 c. s. Krauß, Lehnw. s. v. trnnöötf. Echa r. 4, 2. rTDrrü mSTO und Margulis Com. zu^Jerusch. Es soll auch eine Sitte gegeben haben, wonach der Geladene den Ärmel des Rockes umdrehte, damit iuan wisse, daß er schon zu Gast geladen wurde. Lunz, Jerusalem IX 314 f. ») Ber. 62 a j. Ber. IX 14 c. 3. Maß. Der. Er. Ab. d Nath. I 40 (64 b)» da steht richtig IrsTin "nm TD *p&nfctt3 ^373, während Der. Er. min ^1^X2 hat- Da sich dies auf das Zeigen beim Thora-Vorlesen beziehen muß, kann nicht von üi£3>ü Accenten, sondern bloß von ö'HSI Wörtern die Rede sein. Das erste Argument: weil mit der Rechten die Thora gegeben wurde, erregt Besorgnis, was mit dem Gelinkfeen zu geschehen habe, da in solchem Falle auch dieser nicht die Rechte gebrauchen dürfte, s. Sch. Ar. Or. Chaj. 3, 10. J. Low macht mich aufmerksam, daß tiTin i"D 'pfcClfä sich auf die Modulationen der Kantillation beim Vorleben der Thora bezieht, die man mit dem Zeigefinger der rechten Hand begleitete, s. seine „die Finger" 18. und Midr. Othioth R. Akiba 72 Werth. nTinn d3tt nfcOtt. 3) Sabb. 61a. Sch. Ar. Or. Chaj. 2,4.5; 4, 10. R. Juda der Babylonier empfiehlt aber nach Muster der Alten erst den linken anzuziehen, damit der rechte nicht herabgesetzt werde, j. Sabb. VI 8 a, 72. 4) b^pb noTOS VEitt j. Schebi. X 39 d, 38. Gittin 37 b. 5) "l^tttt^ j Peah V 18 d vi. s. Z. Frankel, Talm. Hieros. I B. Dasselbe von einem halb befreiten Sklaven j. Kid I 60 a, 16. 6j ^8731Bn d^tttttün 'pfc'O d^lKnto, nach anderer Version "pftin 'pnEO ^fitättn 'p^Krm und umgekehrt: Beth harn. II 66. VI 19. 31.

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