Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 19 (1916)
- Issue
- 1-4 (1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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— 24 — dieser als eine Verstoßung auffaßte. Demzufolge sollen die Rabbinen ausgesprochen haben: Wenn die Linke abwehrt, soll die Rechte herbei winken *). R. Jochanan b. Sakkaj sagt: Zwinget die Kinder, die zu Gelehrten heranwachsen sollen, zum Lernen, aber so, daß die Linke verstoße und die Rechte heranziehe2). R. Simon, Sohn Eleazars lehrt, daß auch der Leidenschaft, dem Kinde und der Frau gegenüber die Linke abweise und die Rechte heranziehe. Bei diesen soll man nämlich den goldenen Mittelweg einschlagen und nicht gegen sich, die Frau und die Kinder zu strenge oder zu nachgiebig sein3). Auch aus den Worten, die Mordechaj der Königin Eszter sagen läßt, lernen wir, daß man nicht mit beiden Händen verstoße, sondern bloß mit der Linken, aber mit der Rechten wieder heranziehe. Erst läßt er ihr drohen, daß sie mit ihrem Elternhause zugrunde gehen werde, wenn sie sich ihres Volkes nicht annimmt, dann aber schlägt er einen milderen Ton an: „Wer weiß, ob du bis dahin vor den König kommst4)". Ohne sich auf einen Bibelvers zu stützen, wird es zur allgemeinen Sitte erhoben, daß am Wege der Schüler zur Linken des Lehrers zu gehen habe. Hierauf wurde so großes Gewicht gelegt, daß ein Schüler, der gegen diese Sitte sich verging, ein Grobian (TC) genannt wurde. Und dieses Attribut war so dehonestierend, daß man zu den Benediktionen des Morgengebetes auch folgendes einzuschalten empfahl: Gelobt sei (Gott), daß er mich nicht zu einem Grobian machte5). Dieses Epitheton gebührt ferner dem Schüler, wenn er in gleicher Linie — wenn auch zur Linken — mit dem Lehrer geht, und ein Stolzer wird er genannt, wenn er hinter ihm einherschreitet; er soll vielmehr etwas rückwärts, aber nicht ganz hinter ihm gehen6). Auch dafür wird gesorgt, in welcher Reihenfolge der Lehrer mit zwei Begleitern zu gehen habe. Da geht zu seiner Rechten der Größere, zur Linken der Kleinere, wie dies die vor dem Patriarchen Abraham erschienenen drei Engel beweisen. Michael war in der Mitte, Gabriel zu seiner Rechten und Rafael zur Linken. Als Moses starb, stand Michael zu seiner Rechten, Gabriel zur Linken7). Für diese Sitte aber findet sich schon ein Analogon in der Bibel, denn das ganze Himmelsheer J) Sanh. 107 b; Sota 47 a s. Dikd. Soferirn z. St. Krauß, Talm. Archäol. III 7. Wenn Josua b. Berachja ein Zeitgenosse Jocbanan Hyrkans war, Graetz, Gesch. III 87, so haben wir es mit einem Anachronismus zu tun. 2j Ab. d. Nath. II 31 (34 a). 3) Sota a. a. 0. 4j Midr. Til. 22, 5. Jalk. Machiri steht irrtümlich s^pfcn Sirm ^SM)n. Der Sinn von Eszt. 4, 14: m^ft^ r&W PiSTS rc6 ÜB ^j! wird verschieden aufgefaßt, s. die Kommentare. 5) Die Sentenz lautet: TD "n'n *0.1 "f^riten Maß. Der. Erez 4. Chul. 91 a; Jouia 37 b: Krauß, Taim. Arch. III 6 steht irrtümlich, daß der Schüler zur Rechten einherzusehreiten habe. TD £^TZ5 *p"D j. Ber. IX 13 b 48. 6) Joma a. a. 0. ') Beth harn. II. Oz. Midr. 368 a.