Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 19 (1916)
- Issue
- 1-4 (1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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— 23 — daß jene Reichtum und Ehre erlangen, während die Frommen arm bleiben, aber sie wird auf das Jenseits vertröstet. Auf dieser Welt müssen die Gelehrten arm bleiben, damit sie sich nicht mit anderen Dingen befassen und die Thora vernachlässigen1). Mit Anschluß an Prov. 8, 6 erklärt R. Chananel b. Papa die These Raba's folgendermaßen: Warum werden die Worte der Thora mit einem Fürsten verglichen? Wie dieser Gewalt über Tod und Leben hat, so auch die Worte der Thora. Wer sich mit ihr gründlich befaßt, dem sind sie ein Lebensmittel, wer oberflächlich, dem ein Todesgift2). R. Isak lehrt: Wer klug werden will, wende sich beim Gebete gegen Süden; wer sich nach Reichtum sehnt, gegen Norden. Zum Zeichen diene, daß der Tisch im Heiligtum nördlich, die Lampe südlich stand. R. Josua b. Levi empfiehlt für jeden Fall die Südseite, denn Weisheit gewährt auch »Reichtum, heißt es doch ausdrücklich: Langes Leben ist zu ihrer Rechten, Reichtum und Ehre zu ihrer Linken8). Die Maxime R Isaks erklärt L. Low aus den Kulturverhältnissen Palästinas. Galiläa hatte einen segensreichen Boden und einen ausgebreiteten Handel, Judäa im Süden hingegen war die Städte der Wissenschaft. Hierauf paßt das Zeichen: Der Tisch mit den Schaubroden stand auf der Nordseite, der Leuchter auf der Südseite des Heiligtums4). Der Mystiker Mose Botarel hat natürlich eine andere Erklärung. Der Kopf ist auf der Südseite, daher wende man sich zur Seite der Vernunft; wer aber reich werden will, wende sich zur Linken, d. i. zur Geldgier, die dem bösen Triebe entspricht, der auch Sammael genannt wird, der nicht anderes als semöl link ist5). ..Seine Linke ist unter meinem Haupte und seine Rechte umarmt mich" will sagen, daß die Linke Gottes entfernt und die Rechte anzieht6). Auf Grund dieser Auslegung stellen die Rabbinen die allgemeine Regel auf: Immer soll die Linke verstoßen und die Rechte anziehen, nicht wie der Prophet Elischa tat, der seinen Diener Gechazi mit beiden Händen verstieß7) und auch nicht, wie Josua, der Sohn Perachjas tat, der Jesus aus Nazaret mit beiden Händen verstieß. Als dieser Josua nämlich beim Gebete stand und sich nicht unterbrechen wTollte, gab er Jesu einen freundlichen Wink, den 1) Jalk. Misie 934. 2) Sabb. 88 b, MI KED!"D Ü^atttDr^ m tTC-W^. Joma 72 b n£0 rh "jeto n^t a£ö rb ittran s. Eascbi z. St. 3) "pö^ *"PW>£"I D^TP trOrrna n^l^n ß. bathr. 25 b, wo aus Sabb. 63 a und Jalk z. St. zu ergänzen ist TDD") T£"£* *pSD ^51 4) Ges. Sehr. IV 36—54, s. auch Sch. Ar. Or. Chaj. 94, 2. 5) Sefer Jecirah ed. Mantna 57 b. Moreh Neb II 30 *pt3 tfiir btifcO. Diesen Sammael erklärt Münk aus ^720 aveugler, Le guide II 24i>. I. Luria singt in seinem Sabbatliede ttfiöSS S£rij )tlb^ Stfrnö"! am:E 8£Tt6 -TOS "psna Siddur Der. Cbaj. 6) naip» 'pfc'n rpmfc b$n®n Midr. zuta 26, Jalk. z. St. 986. Die These folgt auch aus Hi. 31, 32; Ruth r. 5 b. 7J nmpfc VW nmi bste® K'nn tib^b Sota 47 a mit Anspielung auf IL Kö. 5, 27.