Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 19 (1916)
- Issue
- 1-4 (1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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— 22 - dieser Erklärung weder rechts noch links abweichen1). „In deren? Händen Tücke und deren Rechte voll Bestechung ist" (Ps. 26, 10): bezieht sich auf die Spieler, die mit der Linken rechnen und mit der Rechten halten2). „Es verändert sich die Rechte des Höchsten" (Ps. 77, 11) hat zwei Bedeutungen: eine schmerzhafte Wunde von der Rechten Gottes, oder: Die Rechte Gottes hat sich geändert3). Wie sehr die Aggadisten mit diesem Verse kämpften, beweist die- Erklärung des R. Simon b. Lakisch. Der Vers muß in zwei Teile zerlegt werden: Wenn die Rechte Gottes durch Krankheit sich veränderte, da gibt es noch Hilfe; hat sie sich überhaupt geändert, so ist alle Hoffnung verloren4). Von der Weisheit wird gesagtr Langes Leben igt in ihrer Rechten, Reichtum und Ehre in ihrer Linken (Prov. 3, 16). Natürlich ist unter Weisheit die Thora zu verstehen. Sie gewährt langes Leben mit ihrer Rechten auf jener Welt, Reichtum und Ehre mit der Linken auf dieser Welt. Wohl führt diese Welt zu irdischen Genüssen, sie versagt ihm diesen Lohn dennoch nicht5). R. Jirmejah tradiert im Namen R. Eleazars: Wenn man sich mit der Thora selbstlos beschäftigt und dabei auch bescheiden ist, wird man gelehrt in der Thora, die mit der Rechten gegeben wurde, wie es heißt: Deine Rechte wird dich Wunder lehren (Ps. 45, 5). R. Nachman b. Isak aber lehrt: Man erlangt Dinge, die in der Rechten der Thora erwähnt werden, denn Rabasagt: Sollte etwa zu ihrer Rechten nur langes Leben, nicht auch Reichtum und Ehre sein? In der h. Schrift ist daher folgendes Versprechen zu suchen: Wer sich mit der Thora selbstlos oder sogründlich befaßt, wie die Rechte mit der Arbeit, hat langes Leben, Reichtum und Ehre, wer aber dabei ein gewisses Interesse verfolgt,, oder sich nur oberflächlich mit ihr befaßt, hat bloß Reichtum und Ehre zu erwarten6). Auch die Thora protestiert bei Gott dagegen, ') Nach Nu 22, 26 MT Inns*) b&ZW niC33^ W *pan Sefer Rabiah« ed. Aptowitzer I 181. a) So übersetzt Krauß, Talm. Arch. III 111. Die Stelle in Midr. Til. 110 b 'J'O'ES^jI ^8E03 *pntt3nEl. Dies dürfte sich auf das Steinchenspiel 'pODOM "ppmOT beziehen, das noch heute üblich ist und so geschieht, daß man mit der Linken eine gewisse Zahl kleiner Steinchen in die Rechte legt und der andere Spieler zu erraten hat, ob die Zahl eine gerade oder ungerade ist. Bei den Griechen und Körnern war dies ein beliebtes Hazardspiel und hieß aptta r) TTEpiTTa rcafcsiv, ladcre par impar. Becker, Gallus III 265. Pauly, Realencyclop. s. v. ludus. 3) Das heißt: m:iZD wird entweder aus "pH) erklärt und bedeutet J-irmD nDfr eine scharfe, schmerzhafte Wunde, das zu dem vorhergehenden Vfi^n — erkranken — gut paßt. Oder wird irfi^fi von entweihen abgeleitet und sagen will: Weil ich meine Heiligkeit entweihte, deshalb änderte sich die Rechte Gottes. Midr. Til. z. St. 4) Auch wird vfi^n aus 'Tlhn — krank sein, erklärt, aber auch mit Ji^n =■ beten wird versucht: Weil wir nicht beteten, änderte sich die Rechte Gottes. Peß. Bub. 130 a Echa r. 13 b Rom. 5) Sifre np^ 84 b Friedm. Gen. r. 69,2. ^Kfctto^ KD fiOlTilZ) I^ÖK ist nach D. Luria so zu übersetzen. °) Sabb. 63 a •psiftutt und tP^attCtt bedeutet nach Raschi entweder T\1?d> und TiljVj? oder es kann mit "JÄTO erklärt werden.