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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1915-01-01 · 1-4 (1915) · p. Seite 21

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
19 (1916)
Issue
1-4 (1915)
Date
1915-01-01
Page
Seite 21 (sequence 23)
Language
German
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— 21 — gegeben wurde. Wenn Gott bei seiner Keehten und beim Arme seiner Macht schwört (Jes. 62, 8), so bedeutet seine Reehte die Thora und der Arm seiner Macht die Phylakterien, welche die Macht des Volkes heißen1). Anknüpfend an Ps. 137, 5 werden Gott folgende Worte in den Mund gelegt: Wie es mir unmöglich ist die Erlösung zu vergessen, so kannst du (Israel) auch meine Rechte, die Thora nicht vergessen2). Auch dem rechten Fuße Gottes wird eine wichtige Rolle zugeteilt. Als der Patriarch Jakob •einen Stein zum Denkmal errichtete, da troff Oel vom Himmel herab und er goß es auf den Stein. Was tat nun Gott? Er nahm seinen rechten Fuß, stieß den Stein bis in die Tiefe des Abgrundes und machte ihn zum Anschluß der Erde, wie man einer Decke einen Anschluß macht. Dies ist der Grundstein, der Mittelpunkt der Erde3). Außer den erwähnten, der Agada entnommenen Schrift« auslegungen rationalistischer Bibelerklärer gibt es noch eine Anzahl erwähnenswerter Deutungen in beziig auf rechts und links. Die Stelle Dt. 17, 11: Dem Gesetze gemäß, das sie dich lehren und dem Rechte gemäß, das sie dir sagen, sollst du tun, du sollst von dem Ausspruche, den sie dir verkünden, nicht abbiegen rechts noch links — will bedeuten: Auch wenn sie dir vom Rechten sagen, es sei link, oder vom Linken, es sei recht, hast du zu gehorchen. In anderen Worten: Auch wenn sie in einer Sache entscheiden, wo du meinst, sie sei erlaubt, daß sie verboten sei, oder umgekehrt, mußt du dich ihrer Entscheidung unterwerfen4). Jedoch wird diese imbedingte Unterwerfung nicht allgemein befohlen. Sie wird dahin eingeschränkt, daß man nur zu gehorchen habe, wenn vom Rechten gesagt wird, es sei recht imd vom Linken, es sei link5). Nichtsdestoweniger wird unbegrenztes Vertrauen nicht für das Gesetz, sondern auch für hervorragende Gelehrte gefordert. So wird von Maimuni gesagt, daß man ihm Glauben schenken müsse, auch wenn er vom Linken behauptet, es sei recht6). Auch Luther lehrt: Wenn ein Rabbin sagt, die rechte Hand ist link, so ist sie link, sagt er, die linke Hand ist recht, so ist sie recht7). Von einer festgesetzten Erklärung gilt wieder der Ausdruck: Man soll von *) Ber. 6 a rmn tf^tf 1jV2* *pa. Jalk. Jes. 506. 2) Peß. r. 31. H) Midr. Til 91,7. Nachinani Gen. 28, 17. 4) Sifre irCSVw; 105!;a Sir. r. 6 a. 5) J. Hör. I 45 d 26 Folgt aus Dt. 28, 14, wo rd^ sich auf das vorangehende ^tfElDI beziehen soll. S. Nacbniani zu Dt. 17, 11 Wenn du auch so sicher deiner Sache bist, wie du deine Rechte und Linke kennst, mußt du doch gehorchen. Hoffrnann, Das Buch Deuteron. Berlin 1913, S. 297. Hildesheimer Jubelschr. 88. °) Kaftor Vaferach ed Luncz 652, MS. 1909, 630. Vom Karäer Benjamin Nahavendi macht Abr. ib. Ezra das Wortspiel: ^ött3E372 rPiT^ yiZ^I tTO? niSöO "pTM Dä Poznanski, Kohler Festschr. 11. 7) 8, 115 b. s. Sanders s. v. Link.

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