Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 19 (1916)
- Issue
- 1-4 (1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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— 20 — Himmel kam, sah er Gott auf seinem Throne sitzen und seine Braut (Thora) hielt er in der Rechten. Und bei der Offenbarung: gab Gott fünf Ringe auf die fünf Finger der rechten Hand Israels, — den fünf Büchern der Thora entsprechend — um es sich zu vermählen. Darum auf die rechte Hand, weil auch die Thora mit. der Rechten gegeben wurde1). Außer der Thora hält Gott auch die Gerechtigkeit in der Rechten, denn auch von dieser wird gesagt: Deine Rechte ist voller Gerechtigkeit2). Alldies hindert aber nicht eine andere Bibelstelle dahin zu deuten, daß Gottes Rechte bis zur endgiltigen Erlösung nach rückwärts gewendet bleibt. Als nämlich Jerusalem erobert wurde, banden d.ie Feinde den* Helden Israels die Hände nach rückwärts. Gott wollte das Schicksal seines Volkes teilen, er wendete daher auch seine Rechte nach rückwärts. Dies wird auch in den letzten zwei Worten des Buches Daniel angedeutet: „Am Ende der Rechten", d. h. wenn die Rechte Gottes erlöst wird3). Die Passivität der Rechten Gottes hat noch einen anderen Grund. Wie erwähnt, bissen sich die Gefangenen* an den Bächen Babels ihre Daumen ab, um vor dem Feinde nicht die Harfe spielen zu können. Da sagte Gott: Ihr habet euch beherrscht und die Finger euerer Rechten abgebissen, auch ich lege meine Rechte nach rückwärts und nehme sie nicht eher zurück,, bis ich mich eurer erinnert habe4). Eine andere Bibelstelle gibt wieder Anlaß zur folgenden Sage: Beim Auszuge aus Aegypten wollte sich das Meer nicht spalten, weil es als älteres Geschöpf dem Menschen keinen Gehorsam schuldig sei. Das Meer wurde nämlich am dritten, der Mensch am sechsten Tage geschaffen. Da. legte Gott seine Rechte auf die des Moses und das Meer gehorchte5). Auch wo nicht von der Rechten, sondern bloß von der Hand Gottes gesprochen wird, muß zumeist die rechte gemeint sein6). Als sich Moses anschickte, die Bundestafeln zu zerbrechen, wollte sie ihm Gott aus der Hand nehmen, aber Moses gab nicht nach. Daher wird seine „starke Hand" gepriesen: Es komme Heil über die Hand, die über die Rechte (Gottes) siegte7). Manchmal wird unter der Rechten Gottes die Thora verstanden, die mit seiner Rechten. >) Machs Vitry 311, 323, 339. *) Ps. 48, 11; Dt. r. 5, 4. In der Linken hält er die Seele und das Rechtr weil dabei T steht. Hi. 12, 10; Dt. 32, 41; Jalk. Ps. 755. 8) Echa z. za 2, 3. Damit wird auch Ps. 60, 7 „Hilf deiner Rechten" erklärt: Gott möge seine Rechte schon befreien. Midr. Til. 98,1. Jn bezug auf £3^ oder Dan. 12, 13 s. Peß. B. 131b.; Sohar I 54 a, 63 a, II 207 a. s. auch Peß. r. 31. R. Ismael sah sogar diese Rechte und hörte, wie die Seelen der Patriarchen und Frommen bitten, Gott möge sich schon seines Volkes und seiner Rechten erbarmen. Beth ham. V 183. 4) Peß. r. 28. Midr. Till. 137, 5. 5) Ex. r. 21,6. „Das Meer sah und floh" Ps. 114, 3 will sagen: es sab die Rechte Gottes. Nach anderer Ansicht stand die Schechinah zur Rechten Moses', wie aus Jes. 63, 12 folgt. Jalk. Dt. 821. 6) Ex. 15, 9 übersetzt Onk. v^-i T>3, Dt. 32, 41 jer. vw> s. Ps. Jon. z. St. Machs Vitry 308. 7) j. Taan. IV 68 c 19 statt a^tt!rp^ muß es ftpEr heißen.