Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 19 (1916)
- Issue
- 1-4 (1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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— 11 — offene Sandmeer in Mittel-Mesopotamien heißt Bahrel-SchämJ). Erwähnenswert ist folgender Berieht aus Palästina: Zur Ernte bedient man sich der runden Handsichel, die in der rechten Hand zugeführt wird, während die Linke die zum Schnitt bestimmten Halme zusammenfaßt. Durch diese Handhabung erklärt sich ein eigentümlicher Ausdruck, den man zur Erntezeit hört. Wenn nämlich ein Wanderer an den Schnittern vorbeigeht, ruft er ihnen, meist unter drastischer Erhebung des linken Armes, das Wort „schimälak" zu, d. h. (gib mir was du in) deiner Linken (hast) — eine Bitte um ein Almosen, die andererseits auch von den Erntearbeitern an anscheinend vermögliche Passanten gerichtet wird. Dieser Zuruf erscheint beim ersten Anhören demjenigen um so befremdlicher, der weiß, in welch weitgehendem Maße im ganzen muhammedanischen Orient der Gebrauch der linken Hand im Verkehr mit den Mitmenschen sonst verpönt ist2). Rechts und links wird als Zeitwort ausschließlich in der hifil Form gebraucht und kann auch transitiv übersetzt werden. So werden die Worte des Patriarchen Abraham gedeutet, die er an Löt richtet: Gehst du nach links, so wähle ich die rechte Seite; gehst du aber nach rechts, so lasse ich dich links gehen, d. h. für jeden Fall behalte ich die rechte Seite. R. Chama b. Jicchak weiß für diese Deutung auch einen Beweis zu liefern: Da es nicht in der Kai-Form steht (ich werde links gehen), sondern das Hifil gebraucht wird, beweist, daß ihn Abraham in jedem Falle nach links zu gehen zwingen will3). Im Midrasch wird erzählt, daß Rabbi, wenn man vor ihm zu Gericht stand und nicht gehorchen wollte, seinem Diener zurief: zwinge ihn4). Ebenso wird das Hifil gebraucht, wenn von den Helden Davids gesagt wird, daß sie die rechte und die linke Hand zum Schießen gebrauchten5). Das. XI 318, 361. 2j ZDPV XXX. 160. Auch J. Esra folgert aus Ps. 16, 11 daß man beim Geben eines Geschenkes die Rechte gebrauche. 3) Gen. r. 41, 6. Die Parallelstelle, Koh. r. zu 10, 2 Ü^niZ TO 1^28 )h h*8tevyn übersetzt Grünbaum ZDMG XXI. 613: Wenn du auch noch so anmaßend bist, werde ich dir doch nachgeben. Es ist aber das Gegenteil gemeint und ^iTOTöfa heißt eher, jemanden zwingen nachzugeben. 8. Ber. r. Theodor 393. Daß sich Lot wirklich nach links wendete, beweisen die Worte Eliesers, des Dieners Abrahams. Wenn seine Mission mißlingen sollte, so wendet er sich nach rechts oder nach links (Gen. 24, 49). Nach rechts bedeutet Ismael, der im Süden wohnte, nach links deutet auf Löt hin (Gen. r. 60, 9). Auch links von Damaskus Gen. 14, 15 zielt auf Löt ab, der zur Linken wohnte. Midr. Ag. Buber 59a. J-EfrW Gen. 13,9 bedeutet nach Josef Bechor Schor: ich werde dir nahe stehen, behilflich sein. Poznanski, a. a. 0. 63. 4) Koh. r. 1. c. Mathn. Kehunnah erklärt: zwinge ihn, doch die fernere Erzählung, daß der Diener ihn bedrohte KDn^ *pTn *|72, von dieser Seite, läßt vermuten, daß der Diener dem Angeklagten zur linken Seite stand und ihm dort mit Schlägen drohte. 5) 1 Chr. 12, 2 trWuSftn ÜWü'»», aber 2. Sam. 14, 19 V^tKlVl \*ttb und Jes. 30, 21 ^tffcon "On tPtttfT wo 'D'Wr! zu lesen ist, hat keine transitive Bedeutung und sagt soviel wie ^STOSn lptt"1 s. RDK z. St.