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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1915-01-01 · 1-4 (1915) · p. Seite 8

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
19 (1916)
Issue
1-4 (1915)
Date
1915-01-01
Page
Seite 8 (sequence 10)
Language
German
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— 8 — Bei deinem Leben, mein Herr und König, man kann nicht weichen weder nach rechts noch nach links von alldem, was mein Herr und König sprach. Dies will offenbar sagen, der König habe das Richtige erraten1). Von unmündigen Kindern gebraucht die Bibel den Ausdruck: sie wissen die Rechte von der Linken nicht zu unterscheiden2). Exegese. In manchen Wörterbüchern wird jämin mit licht, hell sein erklärt, weil die südliche Seite als die lichte, helle, die nördliche (säfön) als die dunkle, verhüllte angesehen wird3). Jedoch findet sich jämm in dieser Bedeutung in der ganzen h. Schrift nicht. Allerdings bedeutet säfön verhüllen und demgegenüber ließe sich für däröm, dessen Aequivalent jämin ist, folgern, daß es „licht" bedeutet, aber auch säfön als „dunkle Gegend14 kommt nicht vor. Ebenso verhält es sich mit der Bedeutung „Glück- und Unglück bringend". Jämin ist in dieser Bedeutung in der h. Schrift nicht vorhanden und auch von säfön heißt es bloß einmal: Vom Norden wird das Unglück losbrechen (Jer. 1, 14), das bezieht sich aber auf einen speziellen Fall. Der Prophet will auf die Gefahr hinweisen, die dem südlich von Babylonien liegenden Palästina vom Norden her droht. Und weun Gold auch Glück bedeutet, so wird der Norden sogar als Quelle angegeben, woher das Gold kommt (Hi. 37, 22). Auch das nach rechts zeigende Los des Königs von Babylonien (Ez. 21, 27) sollte nicht den glücklichen Ausgang des Feldzuges voraussagen; es hatte bloß am Scheidewege zu entscheiden, welche von den zwei Richtungen der König einzuschlagen habe. Die verschiedenen Bedeutungen der Weltgegenden haben sich erst in nachbiblischer Zeit herausgebildet und sind auch dann nicht endgiltig festgesetzt worden. Man stellte sich die Welt als zwei Hälften vor, von denen Ost und Süd für die vordere, die rechte, West und Nord für die hintere, die linke Seite galt. Erstere bildeten die Lichtseite, letztere die dunkle Seite. Der Osten kann daher mit demselben Rechte für die rechts liegende, Glück bringende Seite gelten, wie der Süden; der Westen für die linke, l) II. Sarn. 14,19. Offenbar bedeutet dasselbe die SchwurforiuelR. Tarfons: 7£02w1 *p7ji nn^ri fc^ES "CS iriDp^, ich werde meiner Kinder verlustig, wenn du nicht das Richtige gefunden hast. \. Hör. III 47 d. 47. Ueber fiDpS Bacher Ag. Tan. I 350, II 192. J. Low Z. f. Assyr. XXK 282. 2j Jona 4, 11. Von R. Meir erzählt ein apokrypher Midrasch, er habe sich einmal einen solchen Rausch angetrunken, daß er die Rechte von der Linken nicht zu unterscheiden wußte. Midr. zehn Gebote 7. Wieviele Jünglinge und Kinder gibt es in Israel, die ihre Rechte von der Linken nicht unterscheiden können! Seder Eliahu rab. 110, 112 Friedm. 3) So auch Jew. Encycl. X 419 Right is a synonym for goodness and brightness and left for bedn^ss, awkwardness and clnmsiness. Außer goodness ist von allen übrigen Bedeutungen in der h. Schrift keine Rede. S. auch Ozar Jisrael s. v. ffr.-

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