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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1915-01-01 · 1-4 (1915) · p. Seite 7

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
19 (1916)
Issue
1-4 (1915)
Date
1915-01-01
Page
Seite 7 (sequence 9)
Language
German
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h. Stephan, der vor seinem Martyrium mit eigenen Augen sah, daß Jesus zur Rechten Gottes stehe, was auch die Apostel Paulus und Petrus bekräftigen; nur lassen sie ihn nicht stehen, sondern sitzen1). Auch der Satan nimmt sich das Recht heraus zur rechten Seite seines Opfers zu stehen. Der Prophet Secharja sieht den Hohenpriester Josua vor dem Engel Gottes stehen und der Satan steht zu seiner Rechten, um ihn anzuklagen (3, 1). Der h. Sänger bittet, Gott möge den Satan zur Rechten seines Feindes stellen (109, 6). Die Weisheit verdient auf die rechte Seite gestellt zu werden, darum hat der Weise sein Herz zur rechten, der Tor zur linken Seite (Koh. 10, 2). Nicht abbiegen vom geraden Wege wird in der h. Schrift mit rechts und links ausgedrückt. Moses läßt dem König von Edom sagen, daß er durch sein Land ziehen wolle und verspricht den geraden Weg einzuhalten, nicht abzubiegen weder rechts noch links (Nu. 20, 17). Dieselbe Botschaft erging an den König von Hesbon (Dt. 2, 17). Auch der den Abner verfolgende ' Aßael wollte von seinem Ziele weder rechts noch links abbiegen (IL Sam. 2, 19. 21). Selbst von Tieren wird erzählt, daß sie auf der Straße gingen und nicht wichen weder rechts noch links (L Sam. 6, 12). Vom Wege wurde der Ausdruck auf das Gesetz übertragen. Moses schärft dem Volke Israel ein, nach dem Befehle Gottes zu tun und weder rechts noch links zw weichen (Dt. 5, 29; 28, 14). Josua wieder ermahnt es, nicht von der Lehre, die ihm Moses befohlen, zu weichen weder rechts noch links (1, 7). Dasselbe wiederholt er vor seinem Tode (23, 6). Dem König Josia wird nachgerühmt, daß er machte, was recht ist in den Augen Gottes und vom Wege seines Vaters David weder rechts noch links abwich (II. Kön. 22, 2). Auch der Prophet Jesaja fordert: Diesen Weg wandelt, weichet nicht ab weder rechts noch links (30, 21). Auch dem Dichter der Sprüche schwebt das Gesetz vor Augen, wenn er sagt: Weiche nicht ab nach rechts oder nach links (4, 27). Besonders ergeht dieser Befehl an den jeweiligen König in Israel (Dt. 17, 20). Und was vom Gesetze gilt, ist auch den Behörden gegenüber zu beobachten. „Du sollst nicht weichen von dem Worte, das sie dir verkünden, nach rechts oder nach links"2). Hierher gehört noch die Antwort der weisen Frau aus Tekoa, die sie dem König David auf seine Frage gab. Er erriet ihr Komplott und fragt: Ist da nicht die Hand Joabs mit im Spiele? Sie antwortet: *) Böm. 8, 34; Ephes. 1,20; Col. 3,1; Hebr, 1,8; 8,1; 10,12; 12,2. I. Petrus 3, 22. Nach Jo3ef Official bezieht sich auf den König Chiskijah und bedeutet: Hoffe auf die Hilfe meiner Rechten. Poznanski, Elieser aus Beäugen cy 96. 2) In diesem SiDne wird der Ausdruck in der späteren Literatur oft gebraucht, kommt aber auch in anderer Bedeutung vor: 'pr» m^ri "pl ""p ^ftEEyi oder in der Mehrzahl: Du hast mich entschuldigt; ihr habet mich nicht verdächtigt. Aboth d. Nathan 20b, 21a; Schächter II 19.

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