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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1915-01-01 · 1-4 (1915) · p. Seite 6

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
19 (1916)
Issue
1-4 (1915)
Date
1915-01-01
Page
Seite 6 (sequence 8)
Language
German
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Wie bei den Händen wird auch von beiden Augen dem?, rechten der Vorrang erteilt. „Ueberhaupt galt die rechte Körperhälfte nicht allein bei den Juden, sondern auch bei den Griechen und Römern als die bevorzugte1)". Daher wußte der Animoniter Nachasch den Bewohnern von Jabesch Gilead keine schmählichere^ Friedensbedingung zu diktieren, als daß sie sich das rechte Auge ausstechen lassen sollten (1. Sam. 11, 2). Und der Prophet Secharja. verkündet dem unnützen, seine Herde verlassenden Hirten, daß sein Arm verdorren und sein rechtes Auge erblinden werde (11,17)2). Den Rat, welchen der Apostel in bezug auf die erwähnte Anstoßerregende Hand gibt, wiederholt er auch beim rechten Auge: man steche es aus und werfe es weg (Mt. 5, 29). Es darf auch nicht als Zufall angesehen werden, wenn ein Anhänger von Jesus dem Diener des Hohenpriesters gerade das rechte Ohr abhaut (Luc. 22,50). Auf der Insel Tahiti, solange noch die Menschenopfer im Gebrauch waren, soll man dem Opfer das linke Auge als den Sitz der Seele ausgeschnitten und es dem König, dem höchsten Priester und Würdenträger, dargereicht haben3). Ein jüdischer Gelehrter und. Arzt des 10. Jh. Sabbatai Donnolo behauptet, die Sehkraft des. rechten Auges sei größer als die des linken, aber Aristoteles fragt,, warum im Gegensatze zu den übrigen Gliedmaßen bei Augen und Ohren das linke nicht schwächer sei als das rechte4). Der Platz zur Rechten bildete den Ehrenplatz. Daher ließ König Salomo seine Mutter zur rechten Seite sitzen (1. Kö. 2, Die Gattin des Königs steht zu seiner Rechten (Ps. 45, 10). Auch Hiob klagt; daß die Kleinen (Unwürdigen) zur Rechten stehen, während dieser Platz ihm, dem Vornehmeren gebührt (30, 12). Der Jüngling in weißen Kleidern saß zur Rechten des Sarges,, wo Jesus lag (Marc. 16, 5). Den ersten Vers des 110. Psalmes: „Gott sagt zu meinem Herrn: sitze zu meiner Rechten", haben die Apostel dazu benützt, um Jesus zur Rechten Gottes den Platz, einzuräumen. Schon Jesus selbst beruft sich darauf in einer Polemik gegen die Pharisäer (Mt. 22, 44) und bei seinem Verhöre durch den Hohenpriester macht er diesen aufmerksam, daß man ihn, den Menschensohn, zur Rechten der Kraft (Gottes) sitzen sehen werde (Mt. 26, 64). Gesehen hat man ihn wohl nicht, aber der Evangelist Markus bezeugt schon, daß er, nachdem er seinen Schülern die nötigen Weisungen erteilt hatte, in den Himmel fuhr und sich zur Rechten Gottes setzte5). Was aber ihm nicht gegönnt war, das gelang dem *) L. Kotelniann, Ophthalmologie bei Hen alten Hebräern 20f. 2) Das rechte Auge bedeutet nach J. Ezra die "SYeisheit, welche Ansicht auch Kimchi teilt, der es mit *p2 erklärt. Das Auge des Herzens ist die Weisheit, wie Ü2n Koh. 10, 2. Der Yers wird auch auf R. Eleazar aus Modiim bezogen, den Bar Kochba tötete und der den Arm und das rechte» Auge Israels vertritt, j. Taan. IV 68 d 1Z Ecb'a r. 21 a. 3) J. Lippert, Allgem. Geschichte des Priesterturas I. ß. 217. 4) Kaufmann, Die Sinne 119 Note 59. 5) 16, 19; Luc. 22, 69; Act, 2, 34.

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