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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1915-01-01 · 1-4 (1915) · p. Seite 5

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
19 (1916)
Issue
1-4 (1915)
Date
1915-01-01
Page
Seite 5 (sequence 7)
Language
German
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— 5 — die Linke wisse nicht, was die Rechte tut, wenn du Almosen gibst (Mat. 6, 3). In den meisten Fällen wird durch die rechte Hand die Kraft ausgedrückt. Moses singt am roten Meere: Deine Rechte, Ewiger, wird verherrlicht durch Kraft, deine Rechte, Ewiger, zerschmettert den Feind (Ex. 15, 6). Und in demselben Liede streckt Gott seine Rechte aus und die Erde verschlingt den Feind. Besonders liebt es der Psalmist die Macht Gottes und die Hilfe, die er seinen Auserwählten angedeihen läßt, durch die Rechte zu veranschaulichen. Die Rechte Gottes trifft seine Feinde (21, 9). Sein ist der Arm und die Gewalt, stark seine Hand, erhaben seine Rechte (89,14). Die Rechte Gottes erwirbt den Sieg (118,15.16). Aber zur Strafe Israels zog Gott seine Rechte vor dem Feinde zurück, ja sogar wie ein Feind stand seine Rechtelsrael gegenüber (Thr. 2, 3. 4). Auch bietet Gott hilfreich seine Rechte zur Stütze (Ps. 18,36); gewaltig kommt die Hilfe seiner Rechten (20, 7); mit seiner Rechten, seinem Arme und mit dem Glänze seines Angesichtes eroberten unsere Ahnen das Land (44, 4); seiue Geliebten werden gerettet, seine Rechte hilft (60, 7; 108, 7); deine Rechte stützt mich (63,9) oder: hilft mir (138, 7). Warum ziehst du deine Hand und Rechte zurück (74, 11): deine Hand ruhe auf dem Manue deiner Rechten (80, 18) d. h. dem, der auf deine Hilfe harrt. Auch Gott selbst hilft seine Rechte und sein heiliger Arm (98, 1), wie Hiob Gott loben will, wenn ihm seine Rechte Hilfe bringt (40, 14)l). Diese Hilfe bringende Rechte Gottes nennt der Prophet Jesaja „die siegreiche Rechte" (41, 10). Gott verleiht Kraft der Rechten des Menschen, um ihm zum Siege zu verhelfen. So verspricht er seinem Diener Jakob, er werde seine Rechte kräftigen (Jes. 41, 13) und er ließ zur Rechten Moses seinen herrlichen Arm wandeln (Jes. 63,12), d. h. er verlieh seiner Rechten Kraft. Den ohnmächtigen Menschen greift Gott bei der Rechten (Ps. 73. 23) oder er faßt ihn mit seiner Rechten (Ps. 139. 10). Kommt es aber zur Strafe, so erhebt Gott auch die Rechte des Feindes (Ps. 89, 43). Und nicht nur Gott, sondern jeder Held übt Wunder mit der Rechten (Ps. 45, 5). Daher hielt man den Bogen gewöhnlich in der linken Hand und drückte den Pfeil mit der rechten ab (Ez. 39, 3). Nur ausnahmsweise konnten die Helden Davids den Bogen mit jeder der beiden Hände greifen und schießen (1. Chr. 12, 2). Da man auch ungerechte Gewalt mit der Rechten ausübt, empfiehlt der Apostel die Anstoß erregende rechte Hand abzuhauen und wegzuwerfen (Mt. 5, 30). Ein Linkser, wie der Richter Ehud war, hieß ein an der rechten Hand gelähmter Mann (Ri. 3, 15). Die Benjaminiter [Rechtshänder!] hatten 700 solcher auserwählten [Linkser] Krieger (Ri. 20, 16). *) Ps. 17, 7 wird auch die Hilfe Gottes durch seine Rechte ausgedrückt, nur ist der Vers zu konstruieren: U»£ftnpn)273 '■pft^S train ^">wT73 oder: tPOinri ntf Ü^npnteto ^pft^n y*>vn72 s. Rashi und J. Ezra. Ebenso Ps. 91, 7 Zu deiner Seite fallen Tausend und Myriaden zu deiner Rechten. Wenn '■psE die linke Seite bedeutet, wie Targ. Rashi und J. Ezra erklären, so ist die Rechte der Linken um das Zehnfache überlegen.

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