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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1915-01-01 · 1-4 (1915) · p. Seite 2

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
19 (1916)
Issue
1-4 (1915)
Date
1915-01-01
Page
Seite 2 (sequence 4)
Language
German
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Bei der Berufung auf Plato und Homer in bezug auf die Wichtigkeit der Ambidextrie vom militärischen Gesichtspunkte sei auch an die Bibel erinnert, wo den Bogenschützen des Königs David nachgerühmt wird, sie'hätten mit der Rechten und Linken gleichmäßig die Waffen geführt. In der Bibel tritt uns schon die ausgebildete Bevorzugung der Rechten entgegen. Der Segen, die Kraft, die Hilfe, die Ehre, die Liebe liegen in der Rechten und so behauptet sie ihren Vorzug in der Halacha, in den religiösen Gebräuchen, in der Mystik. Nur im Volks- und Aberglauben wird auch der Linken einige Wichtigkeit zuerkannt. Soweit es mir möglich war, habe ich die bedeutenderen Quellen der jüdischen Literatur bis auf unsere Zeit benutzt und einen Streifzug durch Bibel, Exegese, Halacha, Aggada, Kabbala, Folklore und Poesie gemacht. Bei mancher Gelegenheit, besonders im Folklore, habe ich auch Ansichten anderer Völker hervorgehoben, von denen die Juden manchen Aberglauben übernommen haben. Ich kann es nicht unterlassen, auch hier meinem Meister: Oberrabbiner J. Low, dem ich mit Liebe und Dankbarkeit ergeben bin, meinen tiefgefühlten Dank auszusprechen für die Anregung zur Bearbeitung auch dieses Gegenstandes und für die Unterstützung, die er mir — wie sonst — auch diesmal zu bieten die Güte hatte. Bibel. Die früheste Orientierung im Räume erfolgte bei den Indogermanen in der Weise, daß man das Gesicht der aufgehenden Sonne zuwendete und demnach den Osten als vorn, den Westen als hinten, den Süden als rechts und den Norden als links bezeichnete1). Auch die Egypter stellten sich den Osten als das Gesicht der Welt vor. Gegen Norden ist links, gegen Süden rechts2). Wenn daher in der h. Schrift von den Himmelsgegenden die Rede ist, so wird in rhetorischer Weise von rechts und links gesprochen. So klagt Hiob: Gehe ich nach vorn (Osten), so ist er nicht da; nach rückwärts (Westen), so bemerke ich ihn nicht; zur Linken (Norden) suche ich ihn, aber ich sehe ihn nicht; biege ab nach rechts (Süden), aber ich erblicke ihn nicht (23, 8. 9). Der Prophet Jesaja (54, 3) weissagt, daß sich Israel nach rechts und links ausbreiten werde, womit er bloß ankündigen will, daß die territoriale Ausdehnung nur gegen Süden und Norden möglich sei, da das h. Land nach Osten und Westen von der Wüste und vom Meere begrenzt ist, während sich dem Patriarchen Jakob im Traume eine Ausdehnung nach allen vier Himmelsgegenden in Aussicht stellt (Gen. 28, 14). In einer Vision ergeht an den *) Schräder, Reallexikon 370. -) Lagarde, Proverb. 87,

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