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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1915-01-01 · 1-4 (1915) · p. Seite 1

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
19 (1916)
Issue
1-4 (1915)
Date
1915-01-01
Page
Seite 1 (sequence 3)
Language
German
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Rechts und Links in Bibel und Tradition der Juden von Adolf Löwinger» Einleitendes. Weim man die Frage aufwirft, woher es komme, daß seit uralten Zeiten die rechte Hand der linken gegenüber den Vorrang hat, so liegt die Antwort am nächsten, daß man im entgegengesetzten Falle mit Recht dieselbe Frage stellen müßte. Natürlich ist eine solche Lösung der Frage nicht befriedigend und besonders kann sich die Wissenschaft nicht zufrieden geben, bis sie einen annehmbaren Grund dafür gefunden hat. An Versuchen fehlt es nicht. Manche behaupten, es sei bloß eine bis heute erhaltene Gewohnheit. Als der Urmensch das Bedürfnis empfand, irgend eine Arbeit zu verrichten, wozu nur eine Hand nötig ist, mußte er sich schon entweder für die rechte oder für die linke entscheiden. Möglich, daß ursprünglich keine einheitliche Uebung geherrscht hat und beide Hände einander gleichgestellt waren. Als aber der Mensch im fortwährenden Kampfe mit Menschen und Tieren die Erfahrung machte, daß er den wichtigsten Körperteil: das Herz mit der Rechten besser zu schützen vermag als mit der Linken, mußte er die Waffe mit der Rechten führen und diese Gewohnheit hat sich auf jede andere Arbeit ausgedehnt. So hat sich dann der Vorzug der rechten Hand auf die späteren Generationen vererbt und noch heute wird das Kind angehalten beim Essen, Schreiben und Grüßen die Rechte zu gebrauchen. Andere Forscher greifen zu den alten Sprachen, zur Schrift, Malerei und Skulptur, um das hohe Alter der Rechtshändigkeit zu beweisen. Wieder andere wollen aus der scheinbaren Bewegung der Gestirne, die zur Orientierung des Menschen im Räume diente, zu demselben Ziele gelangen. Die stärksten Beweise für diese Ansicht werden aus den anatomischen Untersuchungen geholt. Die Lage der Pulsadern, der Lunge, der Leber, des Herzens, besonders aber das Verhältnis zwischen beiden Händen und dem Gehirn sprechen für die Notwendigkeit der Rechtshändigkeit. Die linke Halbkugel des Gehirns soll nämlich größer sein als die rechte, und da beide in entgegengesetzter Richtung die Hände beeinflussen, so muß notwendig die rechte Hand an Kraft der linken überlegen sein. Auch die eingehenderen Untersuchungen des Auges sollen zu wichtigen Ergebnissen geführt haben. In neuester Zeit steht die Wissenschaft für den gleichmäßigen Gebrauch beider Hände, also für die Doppelhändigkeit ein und führt Legionen von Beweisen an, um die Vorteile der Ambidextrie auf hygienischem lind praktischem Gebiete zu demonstrieren1). *) Eine kurze Uebersicht der verschiedenen Untersuchungen gibt L. Katscher, Rechts, Links und Doppelhändigkeit. Mitteilungen z. jüd. Volkskunde 1916, 1—2. 1

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