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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1915-01-01 · 3-4 (1915) · p. Seite 63

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
18 (1915)
Issue
3-4 (1915)
Date
1915-01-01
Page
Seite 63 (sequence 25)
Language
German
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— 63 — Außer ihr ist noch niemand gekommen, und wie sie runter guckt, merkt sie, daß der Jidder mir ihr ist gekommen, auch der einzige in der ganzen Schul drin ist. Wie sie so nach ihm hinsieht, fängt er an, sich zu recken, und reckt die eine Hand rauf, so, ganz bis oben, bis an die Frauenschul, bis zu ihr herauf. Da kriegt sie es mit der Angst und läuft im Schreck und in der Furcht schnell die Treppe runter und nach Hause. Wie sie nach der Uhr sieht, nu, da sieht sie, es ist grade zwölf Uhr, die Seheidemstunde2). Na, da legt sie sich wieder zu Bett und schläft. Wie sie wieder aufwacht, ist es schon ganz heller Tag, und sie hört, wie man ihr von draußen sagt, sie solle machen, daß sie in Schul kommt zu Szeliches. Sie kleidet sich schnell an, und geht mit einem Mann, einem Jid, der draußen wartet, nach Schul. Sie sieht auch, daß schon Jiden von allen Seiten auch nach Schul laufen zu Szeliches, Männer und Frauen. Und da erzählt sie ihrem Begleiter, wie sie heute schon einmal nach Schul gelaufen sei, und wie da ein Sched mit ihr gegangen wäre, und das hätte sie erst gemerkt, wie sie mit ihm in Schul war. Da hätte er sich mit einem Male gereckt und hat eine Hand hochgehoben, a soi hoch3) nach der Deck, bis ganz oben an die Deck. Da fragt der Mann: „A soi hoch, die Hand?" und reckt dabei seine Hand hoch und reckt sie immer höher rauf bis zum Himmel, so eine große Hand. Da kriegt sie von neuem Schreck und rennt, was sie laufen kann, nach Hause. Dann hat sie sich wieder schlafen gelegt und ist eingeschlafen und ist wieder aufgewacht, wie der Schammes in Schul gekloppt hat. Und dann ist sie zu Szeliches gegangen. Es ist Zeit gewesen. Das ist gewesen in Sgersh. Das ist Klein- Polen. Das ist eine andere Gegend. Ich habe da auch einen Vetter gehabt. Es ist bei Jonnowitz. Lubrö'enz ist in Großpolen. Beiträge zu den Memoiren der Glückel von Hameln. Diese Beiträge waren vor Jahren, der eine als Einleitung, der andere als Anhang zu einer neuhochdeutschen Uebersetzung der auch in diesen unseren „Mitteilungen" wiederholt behandelten Memoiren der Glückel von Hameln gedacht. Inzwischen ist die geplante Arbeit von zwei anderen Seiten geleistet worden. Immerhin glauben wir in den folgenden Zeilen einige bemerkenswerte Züge zur kulturgeschichtlichen Charakterisierung sowie einige Daten zur Familiengeschichte der seltenen Frau beigetragen zu haben. Auf *) Jade. 2) Geisterstunde. 3) so.

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