Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 18 (1915)
- Issue
- 1-2 (1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 39 (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 39 — son, Parody S. 189) kann zu Deutsch wie folgt wiedergegeben werden: Zu Deutsch lallen sie Wein, bringet ihn stark und fein. Es wird vorausgesetzt, dass der Wein durchaus vom Keller geholt wird, was nicht undenkbar ist, da selbst noch im Mittelalter viele Juden in Frankreich und Italien Weinbergbesitzer oder doch zumindest Weinhändler waren.184) Der Begriff aschischoth etwa Traubenkuchen, den wir in den Parodien finden (das. S. 191), wird gleichwohl nur biblische Reminiszenz sein.185) Kalonymos (das. S. 22) gibt ein Rezept für den schon im Talmud genannten Honigwein (oinomeli). In rabbinischen Schriften deutscher Provenienz werden als Getränke genannt: Wein, Bier, (Minhag. 42 a), Wermut,186) Lütertrank (so, mhd., in Leket Joscher 1, 60, wo davon die Rede ist, dass man am Sabbath, selbst wenn der Wein schon am Vortage in den „Sack" getan worden war, diesen Trank nicht bereiten dürfe: es war nämlich ein über Kräutern und Gewürz abgeklärter Rotwein), M o r a s s (mhd. m o r a z, eine Mischung von Wein, Maulbeersyrup und Gewürzen; Kl. Buch d^er Frommen 17 a) und Limonade (oben S. 32). Sehr beliebt sind auch die verschiedenen Fruchtsäfte („Eingemachts". Chaije Adam § 53, vgl. oben S. 34) oder Kompotte („zimes" genannt).187) Maimuni188) nennt ein mit Honig angemachtes Getränk, das den arabischen Namen s k h n g v i n führt. Der Branntwein (S. 147, auch abgekürzt j"s) spielt im neueren Leben der Juden in Russland, Polen und Rumänien und in dem der chassidischen Juden auch in Ungarn eine gewisse Rolle. Da vergeht kein tiqqun ohne dieses Getränke; auch zum sakhar, bekanntlich in einer Nachtwache bestehend, gibt es Schnaps mit gepfefferten Leckerbissen. Der Londoner Baal Schern, Chajjim Samuel Jakob Falk (etwa 1710—1782), machte u. a. Rezepte für Kuchen und würzige Liköre.189) Zu den nach ihrem Ursprungsorte benannten Weinen übergehend, verzeichnen wir zuvörderst eine Stelle aus dem mehrfach 184) Unter den Anklagen des Agobard befindet sich, dass verschütteter Wein gut für Christen sei (de insolentia Jud. c. 4 p. 74). 185) Vgl. jedoch den Reisebericht Obadjas (Jahrb. 3, 211), wonach man in Gaza „nach deren Sitte" Traubenkuchen etc. gegessen hat. 186) So fasse ich auf ulnt (in Minhag. das.), lies alunt *aloint, von afr. aloine, nfr. aluine, welches Wermut bedeutet (ursprünglich wohl Aloe, s. I. Low, Pflanzennamen bei Raschi Nr. 14). Güdemann, 3, 136 hat gekochten Wein und versieht ulnt in der Anm. mit einem Fragezeichen. 187) Globus 89, 28. 18S) More II, 1 in der 2. „Forschung", s. Münk, Guide II, 37. Nach Juda Alcharizis Uebersetzung (p. 7) wurde auch Essig dazu genommen. 189) S. in Berliner-Festschrift S. 2.