Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 18 (1915)
- Issue
- 1-2 (1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 38 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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— 38 — Schon im Talmud (b. Pesach. 114 a) findet sich das Witzwort auf Grund eines Gleichklanges: „iss (als ganze Mahlzeit) eine Zwiebel und du wirst im Schatten (wohlbehütet) sitzen."178) Diese Speisen sind manchmal durchaus nicht blosse Appetiterreger, sondern die alleinige Kost des armen Mannes. Vgl „Sämereien" als einzige Nahrung des Hausvaters oben S. 24, und so wird u. a. von den Juden auf Rhodos (15. Jh.) gesagt, dass sie sich nur aus Kräutern und Grünzeug ernährten und Fleisch und Wein ihnen unerschwinglich war.179) Auch des Kaschruth wegen sah man sich oft auf diese harmlosen Speisen beschränkt. Mit dem Knoblauch (vgl. oben S. 27) verband man freilich auch gewisse Nebenzwecke; er galt, und dies schon in talmudischer Zeit,180) als wirksames Aphoridisiacum.181) Der im Talmud erwähnte h m 11 h a „der aus Indien kommt" (b. Berakh. 36 b, Jona 81'b) soll der Ingwer sein; nach Raschi jedoch ist es afr. eletuaire, d. i. zu Deutsch Latwerg,182) der bekanntlich eine Arznei ist, und von den früher gebräuchlichen zahlreichen Mischungen hat sich heute noch die Sennalatwerge (Sennesmus) und der Theriak erhalten. In Süddeutschland nennt man überhaupt musartige Fruchtsachen „Latwerge", Weil man wohl das Abführmittel in ihnen sieht. Dass diese sogenannten Stimulantien in der Regel nur ihrer Billigkeit wegen gegessen werden, liegt auf der Hand und wird zum Überflusse von den Juden in Ägypten ausdrücklich berichtet;183) in diesem Lande nämlich, wo alles auf dem Markte zu haben war, weshalb auch die Juden, da sie vollauf mit ihren Geschäften zu tun hatten, die ganze Woche über, ausser Sabbath, nichts kochten, assen sie Nilfische, Zwiebeln, Porree, Gurken, Melonen und sonstige Kräuter, zu denen sie, wie auch zu dem sehr schmackhaften Brote, sehr billig kamen (vgl. IV. B. Mos. 11, 5). 6. Getränke. Von Weinen, Bieren, vom Meth, vom Branntwein und dgl. lässt sich aus jüdischen Schriften wenig holen. Die Juden, arm und gedrückt, wie sie waren, und zur Mässigkeit wie geboren, waren keine Trinker. Der Purim allein löste aus ihnen eine grössere Lustbarkeit aus, und da finden wir — wieder in den lustigen Purimgedichten — den Rat, dass man in grossen Humpen ungemischten Wein trinken möge nach Anleitung der Kesselweisen (c h a k h m e j o r e h), oder, nach einer anderen Lesart, Wein, der gemischt worden in Sudwasser der Kessel. Ein anderes Getränk sei Honig (Meth). Dagegen ist Dattelsaft und überhaupt jeder Fruchtsaft und auch das Bier an diesem Tage verpönt. Die betreffende hebr. Strophe (bei David- 178) J. Chotzner, Hebrew Humor p. 12. 179) Brief des Obadja Bertinoro im Jahrbuch für die Gesch. d. Juden. 3, 201. 180) Vgl. meinen Aufsatz „Speisen" usw. in Sokolow-Jubelschrift S. 493. 181) Nach L. Valmaggi (in Rivista di filologia e d'istruzione classica 30, 1902, Heft 3, lässt sich der aphrodisisch wirkende bulbus der Alten weder mit der Trüffel noch mit der Zwiebel identifizieren; warum kann er aber nicht der Knoblauch sein? 182) s.ArukhS, 215 u. neuestens I. Low zuRabijah ed.Aptovitzer 1,80. 183) Obadja das. S. 209.