Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 18 (1915)
- Issue
- 1-2 (1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 37 (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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— 37 - Begreiflicherweise ass man alle gekochten Kräuter und Hülsenfrüchte auch in der Form von Brühen oder Suppen. Mit schupsch (afr. und span. s o p a s17i) wird in Siddur R. 57 eine Weinsuppe bezeichnet, die man mit Brotschnitten ass. In Polen kannte man eine Suppe aus Handedraupen (oben S. 31). Daselbst sind beliebt die vielen, aus Kraut oder Rüben und dgl. nebst entsprechenden Zutaten gemachten Suppen, Borscht oder Barscht genannt;17") der k r u p n i k (aus Paradeis etc.) ist oft die alleinige Speise der Jeschibabachurim (J E 4, 257). 5. Gewürze. Schon die letzthin genannten Dinge, wie Krautbrühe und Borscht, zeichnen sich durch intensive Säure und Herbigkeit aus; dasselbe gilt in anderem Sinne von gesalzenen Fischen, vom „gehackten" Hering173) und dgl, weshalb wir schon oben von einer Neigung der Juden zu stark aromatischen Speisen sprechen konnten. Dahin gehören auch die verschiedenen Ingwer- und Pfefferteige, die aber in armen Häusern mehr als Medikamente gebraucht werden, und es geht darüber der Spruch: Allewai soll men dos net darfen (gebs Gott, man soll das nicht benötigen). Gewürze, schon im Talmud in grosser Anzahl erwähnt,174) kommen auch im Mittelalter und in der Neuzeit in der jüdischen Küche stark zur Geltung. Wie in den früheren Rubriken könnten wir auch hier alle ihre in den jüdischen Schriften vorkommenden fremdsprachlichen Namen anführen, doch begnügen wir uns mit ihrer blossen Nennung in deutscher Sprache: Salz, Pfeffer, Ingwer (vgl. oben S. 20), Minze, Raute, Foenum Graecum (vgl. o. S. 20) d. i. Bockshornklee, Senf (vgl. e r u c a g e Siddur Raschi Einl. S. 64), 175) Koriander, Wermut, Nelken, Stink-Asand (der Name Laserkraut entspricht nicht), 17G) Kümmel, Kaper, Safran, Saturei usw. Der Handel mit den Gewürzen Indiens und Arabiens ging bekanntlich durch das ganze Mittelalter fast ausschliesslich durch die Hand der Juden; selbst der Aufschwung dieses Handels an der^Schwelle der Neuzeit war, wie erwiesen ist, Juden zu verdanken.177) Die Gewürzkrämer wurden zugleich Gewürzkonsumenten. „In Frankreich war Asa foetida einst als Gewürz so in Mode gekommen, dass bei Gastgelagen die Suppenteller vorher mit einem Stück Asand abgerieben wurden, um die Suppe wohlschmeckender zu machen". I. L ö w a. a. O.) Man denke auch an den „Stinkkas" unserer Zeit! Nach solchen Erscheinungen dürfen wir auch den „Geschmack" der Juden, der sich z. B. im kräftigen Zuspruch zu Rettig, Zwiebel und Knoblauch äussert, nicht unbegreiflich finden. 171) Kayserling REJ 29, 154, dem damals nur die Anführung in SL 112 vorlag. 172) Beschrieben in JE 4, 257. Literarisch s. T. Z. zu J. D. § 96, 9. Vgl. auch Blochs Österr. Wochenschrift 1907 S. 20 aus Brody. 17a) Beschrieben JE 4, 257. Wird zu Sabbat Mittag als erste Speise gegessen. 174) Hamburger, RE 1, 954; meine Talm. Arch. I, 118. 175) Mit afr. erugue wird von Raschi garger (vgl. oben S. 33). übersetzt; s. in Löws Liste Nr. 6. 17e) In Löws Liste Nr. 61. 177) Kaufmann, Don Isaac Abrabanel et le commerce des epiccs avec Calicut, REJ 38, 145—148.