Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 18 (1915)
- Issue
- 1-2 (1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 38)
- Language
- German
- Belongs to
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— 36 — nichten! Tatsache ist, dass Raschi (b. Sukka 32b) auch dulba mit „Kastanie" übersetzt.162) Nun übersetzt aber Raschi auch bh. a 11 o n mit „Kastanie" und nennt (b. Menach. 63 a)163) altfr. glänz (pl. von gland), d. i. lat. gl ans Eichel! Folgt daraus nicht mit Notwendigkeit, dass Raschi mit „Kastanienbaum" die Eiche, mit „Kastanie" die Eichel meint? allon, die Frucht des Baumes b'luta, ist ja die Eichel!104) Gerade in Griechenland gab es die Knoppereiche, die eine essbare und noch jetzt vom Volke gegessene Eichel lü5) hervorbrachte:166) die b'l u t eh a-j'v an im die gr. Eiche des Talmud! „Balanos bezeichnete eben beides: Eichel und Kastanie, und je nach den Verhältnissen der einzelnen Landschaften mochte bald diese, bald jene Bedeutung hervortreten."167) Ebenso dürfte zu Raschis Zeiten afr. chastenier noch beides, Eiche und Kastanie, bezeichnet haben, und das stimmt mit der obigen Wahrnehmung, dass die Kastanienfrucht in Raschis Zeiten noch neu gewesen zu sein scheint. Schliesslich sei bemerkt, dass auch Luthers Bibel I. Mos. 30, 37 „Castaneen" hat. Nach dieser Abschweifung kehren wir zu den Gemüsearten zurück. Der auch uns wohlbekannte fr. Ausdruck Porree Lauch (zu unterscheiden von fr. puree Brei) kommt von R. Gersom und Raschi angefangen (vgl. Siddur R. 59, 139 u. 186) als altfr. pore, pl. p o r e s in allen Ritualwerken häufig vor; zuweilen auch p o r e 1 e genannt; desgleichen cresson Kresse; ferner Portulak, Spargel, Mangold (afr. biet, nfr. biete, doch auch unter dem Namen jotte)lüS) Sauerampfer, Kichererbse, Lupine usw. Nennen wir noch flüchtig Melonen, Kürbisse und Gurken.169) Das hierzulande sehr beliebte Sauerkraut (so deutsch in Leket Joscher 1, 124) oder p o t i g a n - Kraut (das.) kommt auch unter dem Namen k o p o s t (mhd. k u m p o s t, ung. käposzta) vor (das.); vgl. R M A zu Tur. J. D. § 96, 4; also in Ländern deutscher und slavischer Zunge. Israel Isserlein in Wr-Neustadt pflegte schon am Freitag eine kleine Portion von Sabbatfischen mit einer Weisskrautbrühe zu essen.170) In den tartarischen Gegenden Russlands, z. B. in Derbend, isst man die Nationalspeise Osch zusammen mit gefülltem Kraut. Der Osch wird beschrieben als eine fette Reisspeise mit Fleisch, während das Krautgericht wie folgt gemacht wird: Efraki genahnt, wird gehacktes Rind- oder Schaf fleisch in Form von kleinen Klössen in Krautblätter gewickelt, mit Zwiebeln, Rosinen, Pfeffer und anderen Gewürzen im Topfe gekocht, und in die entstehende Brühe werden säuerliche Fruchtkörner gestreut; die Brühe gibt man sodann auf die genannte Osch-Speise (J. J. Tschorni, Sefer Massa'oth, Petersb. 1884 S. 37). Vgl. oben S. 12 beim Laubhüttenfest. 162) Schon von M. L a n d a u in Marpe Laschon zu b. Menach 63a bemerkt, der hier in einer längeren Note überhaupt viel Richtiges hat. 183) Raschis Glosse das. bezieht sich, wie M. Landau richtig betont, nicht auf tappuach habarthim, sondern auf b'lute haj'vanim. 164) Low, Aram. Pflanzennamen S. 73 165) Vgl. hier oben S. 33. 166) Neumann-Partsch, Physikal. Geogr. Griechenlands S. 379 f. 167) O. Schräder zu Hehn Kulturpflanzen, 7. Aufl., S. 396. 168) Pflanzennamen bei Raschi Nr. 35 und 56. 169) Das Nr. 70 und 107. Ugokesch in T. Z. zu J. D. § 91, 2. 170) Qüdemann 3, 136 aus Leket Joscher.