Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 18 (1915)
- Issue
- 1-2 (1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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— 35 — Sesam, Mohn usw., zu diesen Zwiebel, Knoblauch, Lauch, Muskatnuss, Rüben usw.157) Eine reiche Auslese der sogenannten „Kräuter" (j'raqoth), die man als das am Paschaabend zu gebrauchende m a r o r verwenden bezw. nicht verwenden kann, besitzen wir bereits im Talmud, noch mehr aber in den mittelalterlichen Ritualwerken, welch letztere uns darum mehr interessieren, weil sie zumeist auch die fremdsprachlichen Namen der betreffenden Kräuter geben. So z. B. heisst es in SL 184: karpas it. appio (anderweitig altfr. apje Sellerie, Eppich) oder it. c e r f o g 1 i o (altfr. c e r f u e 1, nfr. cerfeuil Kerbel) oder it. petroselino Petersilie oder die Blüte (so muss grgr hier übersetzt werden) welchen Grünzeugs immer, das man roh zu essen pflegt. Bei anderen Kräutern handelt es sich um den Stengel, als da sind: it. lattuga (afr. laitugue, nfr. laitue Lattich), crespigno Hasenkohl (Qänsedistel);158) marrobbio (afr. marr u b j e Andorn);* v e d i g 1 i o (afr. v e d i 11 e Weinranke, Schlingpflanze), 159) endlich maror, welches (it.) amerfoglio heisse, d. i. afr. amerfoille Bitterkraut. Jenen Eppich (a p i j a apje) bezw. Kerbel (altfranz. c e r f u e 1) hält Raschi (Siddur R. 59) nur für roh gegessen zu werden geeignet, so dass derjenige, der sichs einfallen Hesse, sie zu kochen, als über Unbrauchbares gar keinen Segen zu sagen hat. Daran schliesst er folgende interessante Bemerkung: Kastanien Carmonim) sind von der Natur zum Kochen da; wer sie also in Wasser kocht, spricht beim Genüsse den Segen über Baumfrucht; wer sie aber roh isst, scheint mir bloss schehakol sagen zu müssen, ja, dasselbe möchte ich sagen, auch wenn sie eingemacht (c h b s c h) werden, doch ist mir das zweifelhaft, weil ich es (von meinen Lehrern) nicht gehört habe. Demnach müssen die Kastanien in Frankreich erst damals aufgekommen sein, was freilich den Tatsachen nicht entspricht, doch ist es möglich, dass sich nur in Betreff der „eingemachten" Kastanien keine Tradition ausgebildet hatte. Ein Zweifaches ist hier zu bemerken: eingemachte Kastanien, die wir nicht kennen, und gebratene Kastanien, die Raschi nicht zu kennen scheint. Mit altfr. chastenier Kastanienbaum übersetzt Raschi 'armon der Bibel (I. B. Mos. 30, 37)1GO) ein Wort, das nach der glaubwürdigen rabbinischen Überlieferung eher die Platane (dulba) ist, und Low sagt kategorisch, dass 'armon nicht die Kastanie bedeuten kann.101) Sollte sich der sonst so sachkundige Raschi hier geirrt haben? Mit 157) S. meine Talm. Arch. 2, 198. 15S) So die Wiedergabe von 'utschin nach einer Ansicht, wie auch in afr. Form auch bei Raschi zu finden (in Löws Liste Nr. 114), doch wird in SL das. weiter gesagt 'ulschin werde im Talmud mit hndibi — Endivie ausgedrückt, und das sei eine Art maror und 'erith, die ask'rula (nach Kayserling span. escarola) heisse. Nun folgen die Worte: „Das aber heisst griechisch und im gebildeten Römisch (im Gegensatze zu dem Vulgärlatein Italienisch) endivia und im Arabischen hindbi. Das la'az grammatica gehört mit zu den Stellen, die ich in meinen Studien zur byz.-jüd. Gesch. S. 120 erklärt habe. Low in REJ 27, 242 versieht das Wort mit einem Fragezeichen, Kayserling in REJ 2% 154 macht sogar endibia [aromatica] daraus. 159) In Löws Liste Nr. 44. Vgl. dazu oben aus Rabijah 1, 79. im) Vgl. REJ 42. 52. 161) Pflanzennamen bei Raschi-Nr. 115.