Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 18 (1915)
- Issue
- 1-2 (1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 33 (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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— 33 — In einem Punkte, der aber schon zu unserer nun beginnenden Darstellung der Qemüsearten gehört, scheint uns derselbe Levita nicht gut berichtet worden zu sein. In seinem Wörterbuche von bh. malluach (vgl. Hiob 30, 4) sprechend, sagt er: „Meine Lehrer haben mir dieses Wort dahin erklärt, dass es das deutsche miz sei; darunter versteht man ein dichtes, grünes Gewächs, das rings um grosse Bäume wächst." Er meint offenbar Moos ,145) das mhd. mies, m ü s gesprochen und geschrieben wurde. Aber im Hiob (a. a. O.) wird ja dieses Gewächs auf dem Rasen gepflückt und als ärmliche Kost verwendet! Darum ist bei Levita nur miz richtig, während die Beziehung auf Moos, als eigene Zutat, zu verwerfen ist. Die Bibelstelle meint die Salzmelde (Atriplex halimus L.), von der man die zarten Stengel und Blätter ass, wie man sie in Russland noch heute isst und wie es auch die gr. und röm. Klassiker bezeugen. Man dachte dabei auch an das ostindische Muskraut M e 1 u c h i a , auch Gemüsejudenpappel genannt (Corchorus olitorius L.)146) Jedenfalls ist hier das von Levita gehörte Wort miz als (zu)mis (vgl. oben S. 26), also als Gemüse, aufzufassen. Hier bekommen wir einen Vorgeschmack dessen, was alles in jüdischen Kreisen gegessen wurde; von gewissen jungen Baurnspitzen und Baumblättern, die gegessen wurden, spricht wiederholt auch der Talmud, und die mittelalterlichen Werke der Kodifikation verzeichnen getreulich dasselbe.147) Die Lssener sollen geradezu allerlei schlechtes Gras gegessen haben.148) Wie schon bisher, glauben wir am besten zu tun, die hierher gehörigen Dinge aus einem einzigen Ritualwerke zu gruppieren (Chajje Adam § 53). Da finden sich: 1. Junge Nüsse, die man mitsamt ihren grünen Aussenschaien (mit etwas?) kandiert (viel!, war das oben als vor Raschi gebracht gemeldetes Gericht etwas derartiges).143a) 2. So auch andere Früchte. 3—8. Zugemüse (lipthoth) können sein: Möhren, Rüben, Rettich, Kren,149) Ingwer (all dies in der Quelle deutsch) und b u r k s c h (slaw. borkesch rote Rüben). 9. Manche Früchte von „leeren,, Bäumen (talmudisch), (slav.) b o rborkesch (wahrsch. Eicheln), werden gegessen, indem man sie mit Honig kandiert. 10. Wurzeln von Sumpfkräutern, die man aier (?) nennt, zu Deutsch Kalmus (er meint Acorus Calamus L, dessen Wurzel, rhizoma calami, zwar bitterlich, aber stark aromatisch schmeckt und bei atonischer Verdauungsschwäche gute Dienste tut; kandierter Kalmus ist ein besonders im Orient beliebtes 145) Qrünbaum das. S. 519. 146) Fonk, Bibl. Flora (Freib. i. Br. 1900) S. 27. Das in Testam. Simon. 2, 9 (ed. Charles) befindliche aleimma soll nach F. Perles nicht Salbe, sondern halima (wie Septuaginta Hiob 30, 4 übersetzen) — Melde sein. 147) Z. B. Rabijah 1, 79 kora (d. i. „das Zarte am BaumwipfeH; das. Traubenranken usw. ±5s) Seder-ha-Doroth unter Antignos aus Sokho (ed. Maskileison 1, 140). J45a) Tatsächlich findet sich unter „Speisen" in Mitteil, der Gesellsch. r. j. Volkskunde 1, 101 der Vermerk: Kompot: Nüsse und Honig; Grüne Nusschale (am Purim). 149) J. Karo und M. Isseries zu Tur J. D. § 96. Poln.-jüd. „Chrein" Mitteil. 1, 102