Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 18 (1915)
- Issue
- 1-2 (1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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- 30 — Abraham ibn Ezra, der grosse Bibelkommentator (12. Jh.), der im Verlauf seiner Reisen in Indien gefangen gesetzt worden sein soll, wurde dort, so heisst es,129) ausschliesslich aus ungesäuertem Brote ernährt, weil dieses schwerer zu verdauen sei und in geringerer Quantität genüge, als das gesäuerte, gegangene Brot; dasselbe Brot sei übrigens durch die Ägypter auch den Israeliten, ihren Sklaven, gereicht worden. Sie werden (Siddur R. 194) merkwürdigerweise mit den in talmudischer Zeit erwähnten s'r i q i n identifiziert, ein Gebäck, dessen Name wörtlich nur „leer", „leere Dinge" bedeutet; nach dem Talmud freilich entsprechen sie gleichwohl der Forderung lechem oni „dürftiges Brot" nicht und können als pflichtgemässe „mazza" nicht gebraucht werden; dass aber die Frage auftauchte und stark ventiliert wurde, ja, dass nach einer Ansicht (s. Toseftha Pes. I g. E.), sofern sie dünn oder platt gemacht werden, sie auch als „mazza" entsprechen, beweist zur Genüge, dass sie mazzaartig waren. In Siddur R. 194 ferner: aischlsch aisselles?qrschpliisch crepes? Krausbrote? prschrsch presures Käselab? (im Texte selbst als .Füllteig mit Käse definiert); wie man sieht, alles sehr unsicher. In SL (bezw. in T) kommen folgende Mehlspeisen vor: l'b i b o t h (s. oben S. 27) oder mqroni it. maccheroni, die bekannte Nationalspeise der Italiener, von der auch in unserem Texte (SL 253) gesagt wird, dass sie mit Käse(staub) angemacht wird, n i v o 1 s c h (SL 125, T39a), 131) auf Hebräisch lachmonijoth „Brötchen", aus hart geknetetem Teige, q o r b r i z (SL 125);131) p r i n t a (T 39 a) 1. pl. it. p o 1 e n t a, daselbst näher beschrieben als s c h't h i t h a abha,132) bestehend aus Mehl, Wasser und Öl. Endlich sei aus romanischen Landen, speziell aus Italien, angeführt: s'foliiti it. plur. sfogliate, kleine, blätterförmige Torten, die auch jupkat (?) genannt wurden.133) In der halakhischen Welt entstand ein grosses Geschrei darüber, dass man dieses Gebäck, wie es scheint aus Mazzoth-Teig, am Pesachfeste buk und ass, denn nicht nur Hess man sie vor dem Einschiessen lange auf dem Brett liegen, sondern sie sprangen auch beim Backen in der Mitte auf, weshalb denn eine Säuerung zu befürchten war und auf sie das Verbot von „aufgeblasener Mazza" angewandt werden musste. Aus einem einzigen Paragraphen eines späten aber verbreiteten Ritualwerkes (A. Danzigs Chajje Adam § 54: Von den Mehlspeisen) führen wir folgende Namen von gekochten, gebackenen oder breiartigen Mehlspeisen an, Namen, die vermöge der Heimat des Verfassers teils jüdisch-deutsch, teils jüdisch-slawisch klingen: 1. Im Mörser entschälte Getreidekörner (gaglech slaw. goglech Fiesolen?)134) die im Kochen erweicht werden und zusammenstehen. "9) Angeführt in dem Ritualwerk Abudirham (ed. Prag p. 67d) zum Stücke k'ha lachma; vgl. Friedländer, Jbn Ezras Esaia Einl. S. XX. 13°) L e v y 3, 597 findet freilich den Begriff „eingekerbt" darin. 131) Von I. Low unerklärt gelassen; offenbar nilseh; oben S. 29. 132) S. dazu meine Talm. Arch. 1, 95. 133) Pachad Jizchak samekh p. 56 b. 13*) Über die im Jargon beliebte Endung ich ech s. Grünbaum, L d. Chrestomathie S. 517; er nennt Plural Fläschlich, Plätzlich, Bletzlich (kleine dünne Kuchen), Rendlach (d. i. Randdukaten).