Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 18 (1915)
- Issue
- 1-2 (1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 29 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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- 29 — auch S e f e r?a 1 ha - k o 1 (= Buch für Alles) in ed. M. Weiss S. 96} scheint mir nicht ohne weiteres in vermicelles124) geändert werden zu dürfen, vielmehr ist es in qntilsch oder qndilsch einer anderen Quelle125) wieder zu erkennen, welches span. c a n d i e 1 s ist, eine Mehlspeise mit Eidotter, Zucker, weissem Wein usw. Die Beimischung von Wein lässt es als möglich erscheinen, dass auch das vorhin genannte triila, das anderswo (im Siddur S. 113 und Raschi zu b. Sukka 9b vgl. das. IIa) treille Weinlaube sein soll, von t r i i s c h zu trennen ist und als eine mit Wein angemachte oder weinförmig gestaltete besondere Mehlspeise anzusehen ist. Kr i i p a s c h (in „Buch für Alles" das.) ist crepes Krapfen; n i 1 s c h (das.) n i e u 1 e s. Es ist bedauerlich, dass wir infolge der korrupten Textbeschaffenheit und der noch immer ungenügenden Forscherarbeit in vielen Stücken dieser Gastronomik erst hin- und herraten müssen. So wurde z. B. jenes q n s c h t i 1 s c h (so in P 37 c und Siddur Raschi S. 60, in SL 125 q n t ilsch, in T 39 a qndilsch, in Tos. Hullin 64 a qntiasch, Rabijah 1,81 qlschinsch) früher (von S c h 1 ö s s i n g e r) als altfr. c h a n t e 1 s (neufr. chanteaux) erklärt, was aber grosse Brotstücke bedeutet und hier nicht passt, während mit candiels (Kayserling) das Richtige getroffen zu sein scheint. Letztere Stelle besagt: aublirsch qnschtilsch (P — Pardes a u k 1 i r s c h und qnischtlsch, M V Machsor Vitry aublisch qntiil, Sefer Sedarim aublisch qnischtilisch)* die man zu einer vollständigen Mahlzeit macht, so wie wir126) es in der Nacht zum Beschneidungsfest machen, erfordern die Benediktion hamozi'. Ersteres Wort lies aub 1 i d sch (altfr. ob 1 i d e s) oder aublisch (neufr. o u b 1 i e s), zu Deutsch: Hohlhippe oder Oblaten (mhd. o b 1 e i e). Dieses Wort hat es im rabbinischen Schrifttum zu einem starken Dasein gebracht; es kommt — unter mehr oder weniger korrumpierten Formen — ausserdem vor: im Raschi-Komm. zu Qen. 40, 16; Tosafoth zu Pes. 37 b und zu Hull. 64 a, in SL S. 125, in P37a, in T39a, im kl. Buch der Frommen 17 a und 17 b usw.127) Es lebte hierin ein altes jüdisches Backwerk auf, denn die „Oblaten" (lat. o b 1 a t a Dargebrachtes), die als Material für das Opferbrot (Hostien) der Messe und der Kommunion in der christlichen Kirche dienten und noch dienen, haben ihren Ursprung aus dem jüdischen Passahkuchen.128) Diese wurden in dünnen, flachen Scheiben aus ungesäuertem Weizenmehl und Wasser gebacken, wo hingegen die als Gebäck dienenden Oblaten natürlich mit Zucker und Gewürz zubereitet wurden. Der Umstand, dass, wie wir gehört haben, die Oblaten eine vollständige Mahlzeit ergeben konnten, erlaubt es uns, einen nicht unwichtigen Punkt der Volksernährung hier anzuführen. 124) Deutsch „Qrimsel" s. oben S. 26. 125) Schibbole ha-Leqet ed. S. Bub er S. 125 (dieses Werk, dessen Romanische Glossen von 1. Low bearbeitet wurden, wollen wir gekürzt SL. benennen; seine Filiation, Tanja, ebenfalls von I. Low bearbeitet, wollen wir mit T bezeichnen). Die lo'azim des „Buch für Alles44 s. in REJ 58, 148 f. 126) D. i. in Frankreich, der Heimat Raschis. Bedeutsame Nachrichtl Mit diesem Stück ergänzt sich unser Bericht oben Nr. 9. 127) Qüdemann 3, 134; I. L ö w REJ 27, 240. 128) Wörtlich aus Meyers grossem Konv.-Lexikon, 6. Aufl., 14, 876.