Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 18 (1915)
- Issue
- 1-2 (1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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— 23 - ihnen die: gebackenen Ruten, die folgendermassen fabriziert worden sind: der Teig war gut gewürzt und am Stock gewickelt und stehend gebacken; natürlich war die Unterlage in n e s e kh - Kuchen und Stäbchen hineingesteckt und so gebacken. — Nach einer anderen Beschreibung120) sind „Reschegeruten" (so) kleine, auf Hölzchen geflochtene krapfenartige Qebäcke, die zur Zeit des Beschneidungsmahles den zuhause gebliebenen Kindern verabreicht wurden. Bayrisch-österreichisch heisst resch soviel wie „knusperig". Interessant ist, dass der vorhin genannte Isr. Isserlein von einem österreichischen Gebäck reschka spricht ö(etwa rescher Kau?), das am Rheine Bräutigamsbrot heisse.121) Demnach wurden „reschige", wie sie in jüdisch-deutschen Privatbriefen vom J. 1619 einmal heissen, auch am Hochzeitstage gegessen, was übrigens auch anderweitig bezeugt ist. Diese „Ruten" am Hochzeits- und Beschneidungstage haben gewiss eine Beziehung zur Bedeutung des Tages. In Köln bereitete'man einen Honigkuchen (hebr. dubschanim),. der zu deutsch Bürgerkuchen hiess (Seligmann Bing ms. Halberstam 29a), und solche Differenzierung nach Städten wird nicht vereinzelt gewesen sein. Viel-reicher ist ist die Auslese an romanischen Worten. In dem einzigen Siddur Raschi122) finden sich folgende französische Namen von Backwerken und gekochten Mehlspeisen:123) triisch und q r a i 1 s c h S. 55 (M. Vitry triisch und vermicell.es, Pardes triisch, hernach d i i s a aus dem Talmud und zu streichen, dann o m r i s c h 1 s c h 1. v e r m i c e 11 e s), d. i. altfr. treze im Mörser zerstossener Weizen (dann daraus bereiteter Brei, v. Arukh unter d a j s a, und vermesiel? oder verm i s c e 11 e , ein Wort, das wir in demselben Siddur S. 57 noch antreffen in der Verbindung triila vrmischl ch (ebenso in M. Vitry, verderbt in Pardes) und auf S. 194 für sich allein, doch umgeben von Namen anderer Mehlspeisen. Alle diese Mehlspeisen führen den hebr.-aram. gemeinsamen Namen mulitoth oder m u 1 j a t h a, d. i. Füllung, wurden entweder mit Wasser oder mit Öl angerührt und im Topf gekocht (S. 194); in der Regel als besondere Speise gegessen, wurden sie mitunter auch als Zuspeise zum Brot gegessen (S. 57), genau so, so heisst es ausdrücklich (das.), wie auch wir (d. h. wir normalen Menschen) unser Brot mit Nüssen und Äpfeln „verbinden". Aber das vorhin genannte qrailsch (vgl. 120) A. Fürst, Sitten u. Gebräuche in der Eisenstädter Judengasse (1908) S. 52. 121) Gü de mann a. a. O. 3, 137, Anm. 3. Vgl. Land au-Wachst ein, Jüd. Privatbriefe (Wien u. Lpz. 1911) S. 16 des deutschen Teiles, wo noch andere Daten. 122) Siddur Raschi ed. S. B u b e r (fortgesetzt von J. F r e i m a n n , Berlin 1911). Die Fremdwörter sind gesammelt und nach Tunlichkeit erklärt das. S. 61—65 der Einleitung. 123) Hilfsmittel sind die Erklärungen IsraelLevi's (Paris) zu Siddur Raschi das., ferner G. S c h 1 ö s s i n g e r , die altfranzösischen Wörter im Mac'hsor Vitry (Mainz 1899); I. Low, Pflanzennamen beiRaschi (in Berliner- Festschrift S. 231—254); derselbe: Gloses Romanes dans des Ecrits Rabbinques, in REJ 27, 239—249; s. dazu Nachträge von M. Kayserling in REJ 29, 154. Die Parallelstellen aus M. Vitry, aus Pardes und dgl. mehr .sind bei den genannten Autoren angegeben.