Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 18 (1915)
- Issue
- 1-2 (1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 27 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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— 27 — Die hier erwähnten Pfannkuchen pflegen gleichgesetzt zu werden mit den biblischen Pb i b o t h (s. oben S. 15), die man freilich auch mit Schmalzkuchen oder Herzchen (nach manchen jüd. Kommentatoren sollen sie herzförmig gewesen sein) übersetzt.118) Derselbe berühmte deutsche Rabbi erwähnt ferner Gemüsearten, denen man, nur der Verdichtung wegen, mehr Mehl beimischt; als Beispiel erwähnt er Mandelschnitte, die man amygdales nennt.117) Hier erinnern wir an den Braten in Mandelmilch wie auch im allgemeinen an die reiche Liste von Mehlspeisen, die wir oben bei Purim gefunden haben. In deutschen Kulturkreisen finden wir noch: Honigbrot, zu deutsch Lebzelt,118) von welchem es heisst, Israel Isserlein zu Wiener-Neustadt (15. Jh.) habe es ohne Händewaschen nicht essen wollen, habe es also für wirkliches-Brot gehalten, es sei denn — und hier erfahren wir etwas Neues — man hätte es abermals mit Gewürzen gebacken. Das Jargonwort 1 e k e c h (1 e j k e c h) soll aus Lekuchen (== Lebkuchen, auch Leckerli genannt), d. i. Lebzelt korrumpiert sein, was ich nicht glauben kann; vielmehr von „lecken", indem die süssen Mehlspeisen namentlich von Kindern mit der Zunge beleckt zu werden pflegen. Interessant ist, dass einmal zu Ehren einer jüdischen Hochzeit dem Brautvater von einem Christen ein Korb voller „Hipholler" (mhd. hol-hipe Waffel) präsentiert wurde, was man auch ohne Anstand allen Hochzeitsgästert zu essen gab (Leket Joscher 1, 61); wir erfahren zugleich, das dasselbe Qebäck in Venedig cialdone (?) hiess (das.). Die Sabbatpastete, die man in Marburg ass, ist dieselbe, die man im sonstigen Österreich „Breitling" nannte (das. 1, 47, vgl. Qüdemann 3, 136» doch kann das betreffende Wort auch „Bräutling" umschrieben werden). Es werden noch genannt: Pasteten, Fladen, Brezeln» Kücheln, Steinkuchen, Krapfeln, Naut (mhd. niuwet Gestampftes) und dgl. mehr,118a) ferner Teigachz, Piruschkes, Mohnkichel, Strudel, Teiglach, Ingberlach usw.118b) Die Fladen waren zuweilen milchig, dennoch wurde erlaubt, dass solche, die Pasteten essen und solche, die diesen milchigen Fladen essen, zu dem gemeinsamen Tischgebet beigezogen werden können (Rabijah 1, 107). Wir lernen daraus, dass die ganze Mahlzeit nur aus solcher Mehlspeise bestand. Die Honigkuchen einer hebr. Quelle (bei Davidson, Parody S. 189) entsprechen wohl den genannten Lebzelten. „Resche Grüten" werden von einem Kenner118) wie folgt beschrieben: Wenn der Schüler seinen Abschnitt, den er im Cheder gelernt hat, im Elternhaus vor den geladenen Gästen, und natürlich auch seine Mitschüler hergesagt hatte oder hatten, so verehrte man 116) Grünbaum a. a. O. Seite 518. Jahrbuch das. S. 2C 118) Leket Joscher ed. J. F r e i m a n n (Berlin 1903) 1, 35. Im Nachtrag (2, 103) merkt der Herausgeber an, dass die jüdische Schreibung 1 e z e 11 auch vorkomme bei Nikolaus von Basel (14. Jh.), ed. Schmidt (Wien 1866) S. 358. 118a) Belegt bei Q ü d e m a n n 3, 134, zum Teile auch hier im Laufe der Abhandlung. 118b) JE 4, 257. 119) Der Lehrer M. Stark in Lipto-Szent-Miklös (Ungarn), hochbetagt, wurde von Kohlbach um Auskunft gebeten, und die Antwort war wie oben folgt.