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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1915-01-01 · 1-2 (1915) · p. Seite 25

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
18 (1915)
Issue
1-2 (1915)
Date
1915-01-01
Page
Seite 25 (sequence 27)
Language
German
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- 25 — Gemeinden als Spezialität antrifft, ist zu einer gewissen Berühmtheit gelangt, und man bezeichnet oder spottet auch diese oder jene „kille" mit diesen Spezialitäten. Mir ist z. B. aus Ungarn „Popener Eimach" (so) bekannt; Papa, eine grosse orthodoxe Gemeinde, hält sich nämlich in allen Kochkünsten auf anerkannter Höhe. Diese Art jüdischer Volkskunde harrt noch der Bearbeitung. Der grosse M. Steinschneider hat auch für diese Allotria einen Sinn gehabt; er schrieb einiges über „Spottnamen der Judengemeinden"109) und verzeichnete hierbei „Nikoisburger Nascher"110) und den Spruch „Leipniker essen Kneidlach mit Peitschwasser"111). Man hat. lerner Essig- oder Sauerfleisch, auch Honigfleisch genannt, letzteres darum, weil auch Zucker, Rosinen, Cakes etc. beigelegt werden.llla) Die Sauce kommt unter dem altfr. Namen s a 1 s e bezw. s a u m u r e vor.lllb) Hier dürfte es am Platze sein, zu erwähnen, dass es im Punkte des Fleischgenusses unter den einzelnen jüdischen Sekten und Parteien grosse Verschiedenheiten gibt. Doch sei bloss so viel erwähnt, dass Anan, der Stifter des Karäertums, ausser den Haustieren nur das Essen von Rotwild (Hirsch, Reh) und von Tauben zuliess, alles übrige aber verbot, und zwar aus Trauer über Jerusalem.112) Bekanntlich ist bei den Karäern auch das Warmhalten von am Freitag zubereiteten Speisen am Sabbath ausgeschlossen; ferner verbietet auch Anan, die m a z z a h aus Weizenmehl zu backen, sie soll vielmehr aus Gerste gebacken sein, und zwar gebacken, nicht etwa im Ofen, sondern direkt auf Kohlen, was eigentlich, wie wir bereits bemerkt haben, die richtige orientalische Art des Brotbackens ist. Dagegen gibt es bei ihnen eine grosse Erleichterung im Punkte des Mischens von Fleisch und Milch, da sie dieses Verbot nicht anerkennen. Nicht ganz belanglos ist auch der Umstand, dass sie den Embryo, d. i. das im Mutterleibe eines geschlachteten Tieres gefundene Junge nicht essen,113) denn aus dem Streit mit den Rabbinern geht hervor, dass dieses nicht ganz appetitliche Fleisch von diesen tatsächlich gegessen wurde, und auch darüber hinaus ist es von Interesse, dass es vorkam, dass eine schwangere Frau justament einen solchen Embryo zu essen wünschte und ihn auch bekam.114) Andererseits gab es raffiniert feine Fleischspeisen. Dem Lehrer des Verfassers des Siddur Raschi, d. i. Raschi selbst, wurde einmal ein besonders kunstvolles Fleischgericht aufgetragen (schel chidd u s c h)s. Siddur ed. Buber S. 60, d. i. teils Fleisch, teils Eier, die mit etwas überzogen und mit Honig verrührt waren; diese Speise allein, sagte Raschi, gelte ihm mehr als Brot (mit der üblichen Kost), und sie allein war es wert, dass er vor dem Brote eine besondere Benediktion darüber verrichtete. — In dem sogenannten „Alpha- 109) ZfhB 6, 60. 110) „Nascher" wörtlich. Ursprünglich freilich von N Sch, der bekannten Abkürzung des Namens des Ortes Nikolsburg. m) Leipnik liegt am Flüsschen Petsch. llla) J E 4, 257. illb) Siddur Raschi S.58 (wo die parallelen Lesarten angegeben sind); es wird hier von einer Sauce gesprochen, in welche Wein gegeben wird. 112) S. in J E 1, 554 f, 555 b. 113) Siehe Poznanski in Kaufmann-Gedenkbuch S. 176. 114) S. Josef Karo in Jore Dea § 64.

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