Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 18 (1915)
- Issue
- 1-2 (1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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- 24 — davon nicht zurück. Von den jüdischen Ärzten behauptet er (p. 10a),. dass sie sich angelegen sein Hessen, nur Leckerbissen (ma'adannim) zu essen, damit sie nicht zu Schaden kämen. Er erzählt eine Anekdote (p. 26a), dass er einmal zu einem seinerzeit sehr berühmten Rabbi in Berührung trat, in dessen prunkvollem Hause er christliche Weiber und Konkubinen und Mägde antraf, sodann Fässer voller Wein und allerlei leckere Gerichte, und da wurde er aufgefordert, all dem Laster zu fröhnen. Mit Recht wird diese vorwurfsvolle .Schrift nach Spanien verlegt. Hier herrschte, ein Jahrhundert vor der Vertreibung, ein Laxheit der Sitten, wie sie schlimmer nicht sein kann. So lesen wir auch in den Strafreden des Salomo Alammi,104) dass die Juden zu Ostern — wohlgemerkt: an den christlichen Ostern, und nicht etwa am Pesachtage — Gäste einluden und die köstlichsten Speisen verzehrten; er schildert die geräumigen Wohnungen, die kostbaren Möbel, die zahlreichen Festlichkeiten und Schmausereien, überhaupt das üppige Leben gewisser Kreise in den grellsten Farben. In Deutschland oder Polen wäre freilich so etwas undenkbar gewesen. Aber in dem freieren Südfrankreich kann das in dem angeblichen Maimonides-Brief geschilderte Leben der Rabbiner nicht unerhört gewesen sein. Freilich erhebt auch in Deutschland Martin Luther in seiner 1543 zum „andernmal" erschienenen Schrift „Von den Juden und ihren Lügen"105) den Vorwurf des luxuriösen Lebens gegen die Juden (... „sitzen sie dieweil hinter dem Ofen, faulenzen, pompen (?) und braten Birnen,106) fressen, leben sanfft und wol von unserem erarbeitetem Gut"), aber der damals gegen die Juden wutschnaubende Reformator hat eben auch da, wie es mitunter seine Manier war, heftig übertrieben. Es wird einmal auch in jüdischen Kreisen geklagt, die Familie esse Leckerbissen, während der Hausvater von Gemüse lebe.107) Aber im grossen und ganzen ist die Armut, der nüchterne Sinn und die Mässigkeit der Juden zu bekannt, als dass einzelne Auswüchse an diesem Gesamtcharakter des jüdischen Volkes etwas ändern könnten. Selbst das, was ihnen erlaubt und erschwinglich war, versagten sich die Juden sehr oft aus besonderer Frömmigkeit, und namentlich was Fleisch anlangt, so werden wir durchgängig benachrichtigt, dass Tausende unseres Volkes von einem Sabbath bis zum anderen kein Fleisch assen und noch immer nicht essen. So hören wir z. B. von einem gewissen Salomo b. Isaak (15. Jh.?), dass er das Gelübde tat — dies die gewöhnliche Form dieser Versagung —, dass er in derselben Mahlzeit nicht zweierlei Fleisch essen und nicht mehr als zwei Gerichte verzehren wolle.108) Das Rindfleisch wird, soviel ich weiss, in jüdischen Kreisen weniger als Braten („Gebratenes"), denn als Suppenfleisch und jedenfalls in Saft gegessen. Der „Einmach", den man in manchen 104) Vgl. Z u n z, Gesamm. Schriften 2, 180. 105) Ich habe ein der isr. Gemeindebibliothek zu Wien gehörendes, 1543 erschienenes Exemplar dieser Schrift benützt, wo sich unser Passus in der unpaginierten Ausgabe auf S. 194 befindet; vgl. in Luthers Werken der Walch'schen Ausg. 20, 2478. 106) Nach einer Notiz von Bernays, Gesamm. Abb., 1, 20O Anm. 1 isjt dieser Satz zu verstehen ä la „sitzt am Ofen und brät Aepfel".. 107) Z f h B 8, 191. 108) s. Jewish Quarterly Review (= JQR) 5, 113 Z. 3.