Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 18 (1915)
- Issue
- 1-2 (1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 23 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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- 23 - <it. perdici pernici), it. pulchi etwa Truthahn, quljaci100c) (it. culaccio, ein Braten von gemästetem Geflügel), Wachteln (it. cotornici). Rindfleisch war offenbar zu ordinär, um an einem solchen Tage verspeist zu werden. Sicher ist es, dass in Deutschland im Mittelalter das schmackhafte Gänsefleisch am beliebtesten war, eine Vorliebe, die zum Teile noch heute andauert. Die christlichen Scholastiker des Mittelalters zerbrachen sich die Köpfe, herauszufinden, woher den Juden diese Neigung komme; aber mehr als zweckdienliche Ursachen werden dabei nicht obwalten. Interessant ist, dass nach einer Version des T o 1 e d o t h Jesu, die jedenfalls im Mittelalter und in deutschen Landen entstanden ist, selbst Jesus und zwei seiner Apostel, Petrus und Judas, sich um eine „gute gebratene Gans" streiten.101) Der Gansbraten ist es, der 'den Juden einen besonderen Zug ihres Wesens eintrug: den Hang zu fetten Speisen. Einzelne Teile der Gans werden besonders kunstvoll zugerichtet, wie z. B. das oben beim Schalet genannte gefüllte „Hälsel", und wie man aus diesem Beispiel sieht, führen sie auch charakteristische Namen, die sich in der Regel als altdeutsche oder mundartlich deutsche entpuppen. Dahin gehört Diech (Dicht?), d. i. der Schenkel oder die Keule am Geflügel. „Kaule" bzw. Fleischkaule ist eine besonders in Schlesien gangbare Bezeichnung, im Sinne von „Kloss", für das Fleisch neben der „Kuggel" am Sabbat. Von der Gans kommt auch der geachtete und ausgiebige „Beleg" (b i 1 q Türe Zahab zu J. D. § 101, 11), der, wie sein Name zeigt, das mit behacktem Fleisch „belegte" Brustbein der Gans ist. Die abgeschundenen, zerstückten und am Feuer „ausgelassenen" Fetthäute der gestopften Gans heissen in manchen Gegenden „Grieben"101a) und werden in der Regel zu Mittag des feiertägigen Rüsttages gegessen. Viel begehrt ist auch die Leber der „gestopften" Gans. In dem sogenannten Testament des Maimonides an seinen Sohn — wahrscheinlich eine grobe Fälschung102) — kommt folgende Stelle vor: „Sie (die Gelehrten Frankreichs) erkennen Gott nur während sie gekochtes Ochsenfleisch essen, das mit Essig und Knoblauch gewürzt ist, so dass der Duft des Essigs und der Dampf (so) des Knoblauchs ihnen ins Gehirn steigen, und sie glauben, dass sie dann jeder Zeit Gott zu erkennen vermögen." In Hass und Galle geschrieben, erkennen wir in diesen Worten gleichwohl unsere Juden wieder; Essig und Knoblauch sind nicht erfunden! Von der Neigung zur Völlerei waren mitunter auch Gelehrte nicht frei. Der Verfasser der kabbalistischen Schrift Seferha-kana(p. 113c)103) erhebt gegen seine Zeitgenossen (14. Jh.) die Anklage, dass sie sich zu Gesellschaften zusammentun, essen und trinken, bis es ihnen bei der Nase (so) herausgeht, und selbst wenn man ihnen Fleisch vom Aas (b'sar n'blh) und Nesekh-Wein vorsetzt, halten sie sich 101°) Nicht-„Gulasch? in Mitteil. 1, 101. 101) Mein Leben Jesu nach j. Quellen S. 162. Weitere Mitteilungen zur „Judengans" s. bei G ü d e m a n n 3, 133, und speziell in Wien, so wird dort gesagt, hegt man für eine solche Gans ein günstiges Vorurteil. 101a) Griben schon in Minhagim 36a; vgl. Güdemann a. a. 0 „Griebens" s. J. E. 4, 257. 102) Sammelwerk „Moses ben Maimon" 1, 435 Anm. 2 (Leipzig 1908). Vgl. Zunz, Zur Gesch. u. Lit. S. 199; Jost, Gesch. der Juden 6, 192. 103) S. bei G r a e t z, Gesch. 8, 3. Aufl., 451 f., wo sämtliche Zitate.