Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 18 (1915)
- Issue
- 1-2 (1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2638044-2638068-2638069--1655-2639026- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— 22 — Fische auf mehrere Arten, aber jedenfalls in einer ihrem Geschmacke besonders zusagenden Art zu bereiten. Am Sabbatabend ist die Fischbrühe beliebt, u. z. auch in Rom, an der alten Stätte des von Persius zur Sprache gebrachten Fischgenusses der Juden, und man kann von der Fischsuppe im römischen Ghetto eine lebhafte Schilderung lesen in der „Leipziger Illustr. Zeitung" vom 6. März 1902. Die Fischbrühe lässt man wohl auch in Sulz100a) übergehen, und dieser kalte Fisch ist es, den man, wie erwähnt, am Sabbattage zur „dritten" Mahlzeit zu essen pflegt. Man kennt auch „gefüllte" Fische und „gehackte" Heringe.100b) Die Fisch- (oder soll man sagen: die Fleisch-) Liebhaberei der Juden führte zu der sonderbaren Vorstellung des Genusses der „Behemoth" (Ps. 50, 11) und des „Leviathan" (Hiob 40, 30) in der zukünftigen Welt, für denjenigen natürlich, der des zukünftigen Lebens teilhaftig wird. Beide Dinge werden im Talmud (u. z. in Baba B. 74b Behemoth, das. 75a Leviathan) in diesem Belange in nächster Nähe zu einander erwähnt. Diese jüdischen Paradiesesgenüsse reizten auch die mohammedanische Vorstellungskraft, wie gelegentlich der unlängst verstorbene Professor Jakob Barth dargetan hat (Berliner Festschrift S. 35). Es wird nämlich bei Bochari im Namen Mohammeds folgendes artige Histörchen erzählt: „Am Auferstehungstage gleicht die Erde einem Laib oder Aschenkuchen, den der Allmächtige so, wie Einer von Euch auf der Reise seinen Aschenkuchen, als Speise für die Leute des Paradieses herumdreht. Da kam ein Jude und sprach: Soll ich dir erzählen, was die Speise der Leute des Paradieses am Auferstehungstage ist? Ja! sagte der Prophet. Darauf der Jude: Die Erde wird ein Kuchen sein... Da lachte der Prophet so sehr, dass seine Mahlzähne zu sehen waren... Darauf sprach jener: Soll ich dir sagen, was ihre Beikost (im Paradiese) ist? Es ist „Läm" und Fisch: ...ein Stier und ein Fisch, an deren Leberlappen siebzig Tausend genug zu essen haben." — Wir finden hier jedenfalls eine notwendige Ergänzung zu der jüdischen Vorstellung: jenes paradiesische Mahl wird auch ein grossmächtiges „Berches" aufweisen, also Berches, Fisch und Fleisch, und es wäre nur noch zu wünschen, dass irgendwo auch vom Weine, der dabei getrunken wird, gesprochen werde. Uber diese Zukunftsfreuden lässt Zangwill (Träumer des Ghetto, deutsch, II. Bd., Berlin 1908 S. 94) den sterbenden Heine wie folgt phantasieren: ... „und wir hätten uns niedergesetzt und Schalet gegessen, dieses göttlichste Gericht der Welt, nach dem Liviathan, der die Glückseligen an des Messias Tafel erwartet." - 2. Fleisch. Die Fleischsorten sind für den Juden eigentlich vorgeschrieben, dennoch gibt es für ihn innerhalb der gesetzlichen Grenzen viele Möglichkeiten. Die 15 Fleischsorten, die wir oben bei Purim aus dem Purim-Traktätlein zu erwähnen Gelegenheit hatten, sind: Fleisch vom Reh, vom Hirsch, vom Steinbock, von Gänsen, von Hühnern, von Tauben, von Turtel- und jungen Tauben, Mastvögel (b r b u r i m s. I. Kön. 5, 3), Enten (it. a n a t r e), Fasanen, Rebhühner 100a) Sulzfisch hat einmal Isr. Isserlein am Neujahrs-Abend gegessen (Leket Joscher 1, 124). 100b) J. E. 4, 256 und 257.