Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 18 (1915)
- Issue
- 1-2 (1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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- 21 — sondern bestehen nur aus einer Gattung, z. B. aus Fleisch oder aus Erdfrüchten (Gurken oder Melonen) mit einem Saft, aber alles gewürzt und scharf gar sehr durch Spezereien, die sie in Menge haben,95) und sie essen das mit ihrem warmen, weichen und dünnen Brote." — In Nord-Afrika (so lesen wir in einem anderen Berichte)96) wird am letzten Pesachabend, den sie (arabisch) die Maimon-Nacht nennen, kein Fleisch in den Mund gebracht, sondern nur Milchspeisen; auch gehen sie zu essen und zu trinken in die Häuser ihrer Freunde. In Oran und Marokko werden ausser den Ähren und Blumen97) eine Schüssel voll Gold und sonstiges kostbares Gerät auf den Tisch gelegt ... In Tetuan und Marokko bringt man eine Schüssel voll Wasser auf den Tisch, in welchem lebende Fische herumschwimmen . . . An speziellen Fischarten werden erwähnt: Heringe (s. schon in Siddur Raschi, Berlik 1911, S. 291 fr. h a r e n g s) und m r q d i s c h (mercatos?) in der Beziehung, dass nicht zu befürchten sei, in demselben Fass seien mit ihnen auch unreine (den Juden verbotene) Fischsorten eingebeizt worden (RMA zu Schulchan Arukh J. D. § 83,5 im Namen des Mordekhai), weil das eben im Geschäftsgebahren nicht zu geschehen pflege. Die Rabbinen sahen es nicht gerne, dass die jüdischen Wanderer (Hausierer, Marktgeher und dgl.) Heringe aus dem Geschirr der Christen assen (Türe Zahab das. § 91,2 im Namen des Salomo Luria); ein Stück Kulturgeschichte entrollt sich uns in diesen Worten! Grosse Aufregung verursachte bei den Decisoren die Wahrnehmung, dass manchmal der Wurm, mit welchem der Pökelfisch seinerzeit geködert wurde, oder ein Stück des Krebses, der sich an den Kopf des Fisches herangemacht hatte, noch darin stecke (T. Z. das. § 92,11).98) Besonders war der Hecht {h k h t it. 1 u c c i o) beliebt (Leket Joscher bei Qüdemann 3, 136). Am Neujahr pflegte man Barben (b r b n) zu essen, weil der Name an Erbarmen erinnert (Leket Joscher das.). Auch die unter Juden gebräuchlichen Namen anderer Fische sind uns durch halakhische Bedenken und Erörterungen bekannt geworden. Der Mbuth, burbita burbot, zu deutsch Flusstrüche (auch Quappe, Aalraupe, Rütte, am Bodensee Moserlein und Gewellfisch) genannte Fisch wurde von manchen gegessen, von anderen gemieden, und in letzterem Sinne wurde im Namen des R. Jehuda he-chasid das Wort kolportiert: Wer den burbot isst wird nicht würdig sein, vom Leviathan zu essen.99) Der Stör (Störlein, nach österreichischer und jüdisch-deutscher Mundart Stierl) war, wie L. Löw100) nachweist, unter dem Namen aschturian span. e s t u r i o n schon im 13. Jh. und unter dem it. Namen storione auch um die Wende des 13. Jahrhunderts ein Gegenstand des rabbinischen Kampfes, der am Ende des 18. Jh. in Ungarn noch einmal mit aller Heftigkeit geführt wurde. Die Juden verstehen die 95) Arabien ist die Heimat vieler Gewürze. 96) Isr. b. Jos. Benjamin (II) Mas'e Iisrael (Lyck 1859) S. 126. 97) Diese versinnbildlichen, wie vorher gesagt wurde, die glückliche Frühjahrs- und Erntezeit. 98) Hier im Namen des Deutschen Maharil (Jakob Möllin, 14. Jh.). ") Von Isaak Or Zarua angeführt; s. Wellesz in MGWJ 48, HO; .zur Sache s. L. L ö w, Gesamm. Schriften 2, 262 f. 10°) A. a. 0. Seite 264 f