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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1915-01-01 · 1-2 (1915) · p. Seite 20

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
18 (1915)
Issue
1-2 (1915)
Date
1915-01-01
Page
Seite 20 (sequence 22)
Language
German
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— 20 — des zweiten Bräutigams erst den darauf folgenden Sabbat, das des dritten Bräutigams eine Woche später. Einer sucht natürlich den anderen zu überbieten, und es kommen stets neue Gerichte zum Vorschein. B. Spezielle Angaben über jüdische Speisen. Fische. Von mehreren Seiten strömen uns Nachrichen zu, dass die Juden grosse Fischliebhaber waren. Schon der römische Dichter Persius (Satyr. V, 183) macht diesen ihren Hang zum Gegenstande seines Spottes. Aus dem Talmud und Midrasch fliessen die Nachrichten recht bedeutsam.90) Mit welcher Beharrlichkeit und mit welchen Kosten sich der Jude befleissigte, seinen Sabbätabendtisch mit Fischen zu versehen, ist aus vielen Erzählungen und Legenden bekannt; bezüglich Erebh Jörn Kippur s. oben. Der Hang zum Fischgenusse dauert durchs ganze Mittelalter91) und dauert zum Teile heute noch an. Die Fische haben etwas Pikantes im Qeschmack, was schon an sich diesen Hang erklärt. Aber daneben dürfte auch die dunkle Vorstellung obwalten, dass, gleichwie die Fische selbst unendlich fruchtbar sind, auch deren Genuss fruchtbar mache. Beide Dinge: der Hang zum Scharfen, Gewürzten und Pikanten, sodann die Wertschätzung der Faktoren der Fruchtbarkeit, gehören zu den Grundzügen der jüdischen Volksernährung. Ausser den Beispielen im Einzelnen, die wir teils bereits beigebracht haben, teils noch beibringen werden, wollen wir unsere Behauptung literarisch an der Speiseordnung unserer exotischen Brüder darlegen, an dieser aus dem Grunde, weil anzunehmen ist, dass bei ihnen der jüdische Volkscharakter sich reiner erhalten hat. Von den Juden Jemens vernehmen wir:02) „Vor dem Essen bringt man einen kleinen Tisch herein, darauf einen runden aus Stroh geflochtenen Korb, der Obst und Sämereien wie auch eine Flasche — Branntweins enthält; letzterer dient als Appetiterreger... Ihr Brot wird alltäglich für jede Mahlzeit frisch gebacken,93) u. z. in dünnen weichen Fladen aus Weizen, Emmer und Gerste, auch mit Bohnen und Hirse gemischt... Als Tunke benützten sie foenum graecum;94) das ist aber sehr bitter, ist mit scharfem Pfeffer und Spezereien gewürzt, so dass es Mund und Zunge verbrennt und dennoch ist ihnen dies das kostbarste Gericht, so dass ihnen keine Speise schmeckt, die diese scharfe Tunke nicht hat. Ihre Speisen und Gerichte sind nicht verschiedenartig und zusammengesetzt wie die der Babylonier und Türken, 90) Die talmudischen Nachrichten s. in meinem Aufsatze „Speisen und Gerichte der Juden" (hebr.) in Sokolow-Festschrift (Warschau 1904) S. 497 f., Talm. Arch. 1, 110. Im vorliegenden Aufsatze befasse ich mich nur mit der nachtalmudischen Zeit und ziehe jene nur zur Illustration herbei. 91) Grünbaum, Sprach- und Sagenkunde S. 232; Abrahams, Jewish Life S. 150/ Abrahams verwirft die angeblichen mystischen Gründe für den Fischgenuss; er meint vielmehr, dass man darum gerne Fische ass, weil sie keines Schlachtens bedürfen. fl2) Jakob Safir, Ebhen Sappir (Lyck 1866) S. 58a 93) Vgl. oben S. 2. M) t h i 11 h a n arab. c h i 1 b h. Zur Sache s. I. L ö w, Aram. Pflanzennamen S. 316 f.

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