Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 18 (1915)
- Issue
- 1-2 (1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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— 18 - 10. Hochzeiten. Das Hochzeitsmahl geht natürlich mit grosser Lustbarkeit vor sich. Hauptstück dabei ist wiederum das mächtige, geflochtene, gezuckerte „Berches". Sodann gibt es Hühner- und Gänsebraten in Hülle und Fülle. Dass viele Hühner zur „chuppe" geschlachtet werden, sieht man aus einer halakhischen Erörterung, die nach Frankreich und in die Zeiten des Rabbenu Tarn zurückweist.8213) Braut und Bräutigam, die an dem Tage bis zum Mahle gefastet haben, bekommen von dem Huhn eine Extraration, zusammen mit Reis, beides als Symbol der Fruchtbarkeit. An dem der Hochzeit vorangehenden Sabbath gab es grosse Aufwartung im Hause der Eltern der Braut; an Bewirtung der Gäste hat es auch da nicht gefehlt. Die Feier hat den eigentümlichen Namen „Spinnholz", den ich wie folgt erkläre:83) Spind oder Spinde heisst im Altdeutschen wie noch heute im Holländischen soviel als Speisekammer, und „Holz" ist dasjenige, was in die Speisekammer getan wird; die Speisekammer der Neuvermählten wurde nämlich vermittels Zuwendungen mit viel feinem Zeug angefüllt, wovon man sich wohl an jenem Sabbath durch Augenschein überzeugte. Anlässlich der Angabe der Decisoren, dass ein Backwerk, das mit Buchstaben ausgelegt ist, am Sabbath, da man die Buchstaben zerstört, nicht aufgebrochen werden soll (RMA zu Schulchan Arukh O. Ch. § 340, 3, s. auch desselben Glosse zum Tur an dieser Stelle), wird in einem persischen Ritualwerk83a) folgendes bemerkt: „Auch in Jerusalem ist es gebräuchlich, dass man eine Art Zuckerbrot, auf dem mit süssem Gusse die Worte b'siman tob oder mazzal tob geschrieben sind, in das Haus des Vaters (des Neugeborenen) oder in das des Bräutigams schickt." Folgt die Angabe, wie man es am Sabbath damit zu halten habe. 11. Heiliger-Verein-Mahl. Am 7. Adar, nach der Tradition am Geburts- und Todestage Mosis, pflegt die Chebra-Kadischa ihren Mitgliedern ein solennes Mahl zu geben, das sich, wie kein anderes/ zu einem wahren Brudermahl, zur wahren Agape, auszugestalten pflegt. Viele Chebras bestimmen den Verlauf und die Darbietungen dieses Mahles durch eigene Statuten, doch wüsste ich über charakteristische Speisen nichts beizubringen. 82b) Der Kürze halber verweise ich auf Türe Zahab zu Schulchan Arukh J. D. § 110, 10. 83) Von mir zuerst ausgesprochen in einer ungarischen Vorlesung zu Ko'lozsvär (Klausenburg), erschienen im Jahrbuch 1 (1906) der dortigen jüd. lit. Gesellschaft. Andere Erklärungen s. bei öüdemann, Erziehungswesen 3, 119 und bei Abrahams, Jewish Life p. 144. 83a) Mitgeteilt von Bacher in Zsch. f. hebr. Bibliogr. 5, 153.