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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1915-01-01 · 1-2 (1915) · p. Seite 17

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
18 (1915)
Issue
1-2 (1915)
Date
1915-01-01
Page
Seite 17 (sequence 19)
Language
German
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— 17 — figurieren ferner die russischen Nationalspeisen Wareniki und Blini.77) Am ersten Chanukka-Abend, der den christlichen Weihnachten entsprechen soll, wird in der deutschen Rheingegend stark mit Knoblauch gespicktes Schaffleisch gegessen. Den deutschen Judenhassern des Mittelalters entging der also hervorgerufene Knoblauchgeruch der Juden nicht; sie sahen darin eine boshafte und rohe Begehung der Christnacht, die aber von gelehrten Juden, z. B. von Salman,78) immer in Abrede gestellt wurde. In Polen und Ungarn wird dieser „Brauch" in Form von „Peniz" wahrgenommen, d. i. in der Röhre geröstetes Brot, das, warm wie es ist, tüchtig in Fett gewälzt und mit Knoblauch bestrichen wird; aber dieser „Genuss" beschränkt sich durchaus nicht auf bestimmte Abende und ist eher nur dem Umstände zuzuschreiben, dass im Winter die geheizte Röhre zur Benutzung bereitsteht. Unsere Quellen deuten auch den Brauch von solennen Mahlzeiten am Chanukka an, denen sie aber durchaus den Charakter der privaten Gepflogenheit geben.78a) Die Juden halten dafür, dass nichts über „Gribenes" (w. unten) gehe, und da Chanukka gerade die Zeit ist, in der man dieses gebratene Gänsehautfett am besten haben kann, so pflegt man zu diesem Leckerbissen noch heute einen Kreis von „Freunden" zu laden.78b) In die Chanukkazeit fällt auch die „Nitelu-Nacht, in welcher von den Juden eifrig dem Spiele gehuldigt wird; dass dies nicht ohne Schmausereien vor sich geht, versteht sich von selbst. IL Bankette. 9. Geburten. Die Feierlichkeiten aus Anlass von Geburten setzen erst einige Tage später ein (bei Mädchengeburten bleiben sie gänzlich weg). In der Wachnacht schon, d. i. am Abend vor der Beschneidung, gibt es Traktamente (Gebäck, Wein, Branntwein, Liköre und dgl.). „Am Beschneidungstage, — so heisst es in einem Ritualbuch — entfaltet der Kindsvater viel Freude und Gelage und Festlichkeit und Gabensendungen für Gross und Klein, als da sind: Oblaten (s. oben) und Pretzel (s. oben) und Eier".81) Die „ssude" gibt in vielen Gemeinden nicht der Vater, sondern der Gefatter des Kindes, und da erfordert es die Standesehre, mit offenen Händen herzugeben. Doch ist hierbei nur das „Berches" von Bedeutung, alle übrigen Speisen sind gleichgültig.82*1) Dasselbe gilt auch von dem Pi d j on haben (Auslösung des Erstgeborenen nach Monatsfrist), wobei, wenigstens hierzulande, keine formellen Gastmahle mehr üblich sind. 77) Weissenberg in Globus 89, 29. 78) Jüd. Theriak S. 9 b (iat. S. 29); mein Leben Jesu nach j. Quellen S. 12. 78a) Sulhan Arukh 0. H. § 670. 78b) J. E. 4, 257. 81) A. Glassberg, Zikhron brith larischonim (Berlin 1892) S. 67; vgl. S. 122. 82a) Ja, schon lange wird geklagt, dass hierbei weder Wein noch Fleisch serviert wird, s. L. Low, Lebensalter S. 92.

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