Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 18 (1915)
- Issue
- 1-2 (1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 16 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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— 16 — Obsttorte), Kastanien (Maronen), Turteltauben, Pfannkuchen, Tortelettes, Pfefferkuchen, Ragout, Wildbret, Gänsebraten, Händl, gestopfte Tauben, Entenbraten, Fasane, Rebhühner, Wachteln, Maccaroni, Salat.72) Die in den Werken der Decisoren verhandelte Frage, ob man Geflügelfleisch zusammen mit Mandelmilch kochen und essen dürfe (weil nämlich der Uneingeweihte die Mandelmilch für gewöhnliche Milch halten könnte) — diese Frage wurde, wie wir aus einer Notiz des Salomo Luria (Polen, 16. Jh.) lernen,73) wegen des Purims angängig, denn da pflegte man das Huhn in Mandelmilch zu kochen. Man erlaubte es, weil das Kochen von Geflügelfleisch in Milch ohnedies nur rabbinisch verboten ist; bei Rindfleisch jedoch sollten sichtbare Mandeln beigelegt werden, damit man sehe, dass es Mandelmilch sei. Man muss dieses Gericht gleichwohl nicht als raffiniertes Stück jüdischer Kochkunst ansehen, denn nur das Fleischmit-Milch-Verbot mag die Juden dazu geführt haben, dieses erlaubte Kunststück fertig zu bringen. Als charakteristische Purimspeisen können gelten die wohlbekannten Kindel (wohl ein Hinweis auf die gehängten Hamankinder), der leckere Fladen (es gibt dazu, nach Art der Lebzelten, eigene Modelle), Hamantaschen und „Malchesbrejtel" (Kränzchen zur Erinnerung an die Königin Esther). Wiederum ist es K o h 1 - bach, der die einfache Bedeutung der Kindel leugnet und zum höheren Symbol stempelt. Purim als altes Neujahrsfest betrachtend, lässt er sich durch die Kindel an die germanische Weckings- (Wittekinds-)Spende erinnert sein; darin bestärkt er sich auch durch den Hinweis auf die Kerbe oder Einschnitte der Kindel, die ein charakteristisches Zeichen der Sippen-Opferbrote sein sollen.74) Ausserdem vermutet er, dass mit „Kindl" auf die im Frühjahr erfolgte Opferung des erstgeborenen Kindes angespielt sei. Also: heidnische Reminiszenzen überall — ein Gebiet, auf das wir ihm nicht folgen können.75) 8. Chanukka. An den Chanukka-Abenden wird Käse76) und überhaupt eine Milchspeise gegessen; der Grund ist wohl der, dass man damit irgendwie auf die Frauen hinweisen will, denen bekanntlich zu gutem Teile das Chanukkawunder zu verdanken ist. In Südrussland 72) Abrahams, Jewish Life in the middle Ages S. 151. 73) Angeführt in Schakh zu Schulchan Arukh J. D. § 87 Punkt 6 74) Er beruft sich wiederum auf H ö f 1 e r , Sankt-Michaelis-Brot, in Zschr. des Vereins für Volkskunde 11, 199. 7Ö) Auch der Fladen, ist ihm ein. Symbol, u. z. das der Fruchtbarkeit, wobei er an das am 15.Schebat übliche Essen von Baumfrüchten giardinetto) erinnert. 76) Abrahams a. a. 0. 152 (gewiss nach Lewysohn M'qore ha-Minhagim, Berlin 1846, S. 71). Nach ihm erinnert der Käse von Chanukka daran, dass Judith dem Holofernes Milch zu trinken gab (in der heb,r. Version von „Judith", nicht im griech. Texte); vgl. Jael und Sisera, deren Erinnerung sich wiederum darin ausdrückt, dass man an Erebh Pesach Milch isst.