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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1915-01-01 · 1-2 (1915) · p. Seite 15

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
18 (1915)
Issue
1-2 (1915)
Date
1915-01-01
Page
Seite 15 (sequence 17)
Language
German
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— 15 — lange nicht beim blossen Symbol geblieben; das Leben nahm seinen regelrechten Fortgang. Die Milchspeise — abgesehen vom „Berches" — war meines Erachtens gleich anfänglich nicht als ein Symbol gedacht, hatte vielmehr folgenden einfachen Grund: In der ersten Schabuothnacht wird bekanntlich „Tiqqun" gemacht, d. h. man wacht im Gebet und Lernen die ganze Nacht. Ganz zeitlich am Morgen wird schon Schacharith und auch Musaf gebetet, und dei Hausherr kommt aus der „Schul" in den frühesten Morgenstunden. Die nun folgende Mahlzeit ist aus mannigfachen Gründen seine Hauptmahlzeit an diesem Festtage. Aber er wird doch nicht, entgegen seiner sonstigen Lebensweise, sich zu einem Braten setzen wollen! Also bereitet ihm seine sorgsame Ehefrau ein milchiges Mahl, aber natürlich aus besonderen, des Festes würdigen Mehl- Speisen! Bekannt ist es, dass ungefähr aus gleichen Gründen auch am Erebh Rosch-ha-Schana morgens und am Hoschanna Rabba morgens der aus der „Schul" heimkehrende Hausherr von seiner Ehefrau bereits mit Milchbackwerken allerfrischester Mache traktiert wird. 7. Purim. Venimus nunc ad fortissimum! Purim ist das Fest des Schmausens und Pokulierens par excellence. Man kommt ordentlich in Verlegenheit, was man aus dem Reichtum der Speisen und Getränke früher anführen soll. Sehr zustatten kommt es uns, dass wir eine grosse Reihe von Speisen auf literarischem Wege kennen lernen. Das von Kalonymos b. Kalonymos (Provence, Italien, um 1300) geschriebene „Purim- Traktätlein"67) erwähnt (c. 3) nicht weniger als 24 Gerichte, wovon auf Fleischsorten 15 Nummern entfallen, während die anderen Nummern zumeist Mehlspeisen sind, die die damals gangbaren italienischen Namen 67a) führen. Dies alles kurz, um dann (c. 4) wie folgt fortzufahren: „Das Essen — wie sei es beschaffen? Fleisch und Fische gebraten und gekocht, ferner sinniges (oder: in Fett schwimmendes) Backwerk. Was versteht man unter solchem Backwerk? Oblaten,68) Cakes,69) thrsinin70) und Kuchen71) und (überhaupt) allerlei Süssigkeiten (süsses Backwerk) . . . Das Trinken — wie soll es beschaffen sein? ... Im Masse von 10 Log" . . . Doch, genug von dieser Probe. Das ganze Büchlein will am Purim studiert und sein Kern — durchkostet werden. Das Trinken muss bekanntlich bis zum Rausch gedeihen, das Essen ausgiebig und fein ein, alles Ts ch em mizvah. Ein moderner Schriftsteller gibt die Purimspeisen unseres Traktätleins wie folgt an: Pastete (oder fl7) Massekheth P. (ed. Ven.), s. dazu J. Davidson, Parody in Jewish Literature (New York 1907) S. 19 f. 67a) Erklärt bei Davidson S. 22. **) S. schon b. Berakh. 42a, wo Raschi altfr. oubliees setzt; vgl. Levy, Talm. Wb. 2, 495; wörtlich „Brötchen", sachlich etwa Rotilades (meine Talm. Arch. 1, 107). e9) b'e k i n 1. k'e k i n und s. Talm. Arch, 1, 107. Etwa kleine Torten. TO) Etwa eine Art Waffel. 71) Vgl. II. Sam. 13, 6 8. 10.

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