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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1915-01-01 · 1-2 (1915) · p. Seite 14

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
18 (1915)
Issue
1-2 (1915)
Date
1915-01-01
Page
Seite 14 (sequence 16)
Language
German
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— 14 — modernen deutschen Professors angerichtet:63) „Zwar nicht die Bibel, wohl aber die spätjüdische Tradition . . . belehrt uns über einige weitere den Plejaden geltende Züge des Pfingstfestes, die auch wohl als kanaanitisch zu gelten haben. Es herrscht am jüdischen Pfingsttage der Brauch, Häuser und Synagogen mit Blumen und Qrün zu schmücken und Kränze auf dem Haupte zu tragen; (?) weiter das Festmahl vorwiegend aus Speisen herzurichten, die aus Mehl, Milch und Käse bestehen. Man könnte hierin den Ausdruck der Freude über eine glückliche Beendigung der Ernte erblicken. Eine spezielle Erinnerung an die Erntegottheit, d. h. die Plejaden, bewahrt aber wohl die Sitte, als Hauptgericht einen Kuchen, der in sieben Spitzen ausläuft,64) aufzutragen. Deuten ihn die frommen Juden als Abbild des Berges Sinai,65) so werden wir in ihm lieber einen Hinweis auf die trotz ihrer Siebenzahl doch einheitliche Plejadengottheit sehen." — Tant de bruit pour une omelette! Die Spagniolen, so wird berichtet,66) backen an diesem Tage einen leiterförmigen Kuchen, das sprechende Zeichen der Bedeutung des Tages, nämlich der Himmelfahrt Mosis, um die Thora zu empfangen! Dass auch die jüdische Ueberlieferung den Gebrauch von Milchspeisen am Schabuoth mit allerlei Gründen motiviert, ist bei dem Charakter unseres Volkes selbstverständlich. Man hat u. a. gefunden, dass die Anfangsbuchstaben von IV. B. Mos. 28, 26 das Wort m chlb „aus Milch" ergeben; auch will man wissen, dass die von dem grossen Ereignis der sinaitischen Offenbarung zu ihren häuslichen Penaten zurückkehrenden Juden, hungrig wie sie waren, das Zurichten von Fleischspeisen nicht abwarten konnten und lieber zu den: schnell bereiteten Milchspeisen griffen, wofür auch die Version existiert, dass am selben Tage der Gesetzgebung die Vorschriften des Fleischgenusses noch nicht zur Genüge bekannt waren, und so griff man, mit ruhigem Gewissen, zu Milchspeisen. Noch ein anderes Motiv haben die Ssures-Ladkes" (in Süd-Russland) oder „Zworech- Dalken" (in Mähren und Ungarn) bewahrt. Jenes „Ssures" soll zaroth, dieses „Zworech" in irgendeiner slawischen Sprache Topfen sein, aber offenbar steckt in beiden Worten die Erinnerung an unsere Stamm-Mutter Sara und an ihre vorzüglichen, wahrscheinlich milchigen Kuchen, die sie den Engeln vorgesetzt hatte (I. B. Mos. 18, 6). Heiss, wie der Tag war- (das. Vers 1), hat man wohl angenommen, dass er mit dem Schabuoth zusammenfiel; freilich soll bald darauf das Ereignis mit Lot (das. 19, 3 s. Raschi) am Pesach stattgefunden haben, aber um solche Kleinigkeiten kümmert sich die Sage nicht. Noch ist zu bemerken, dass man ausser Sinai- Kuchen und -Dalken an diesem Feste auch noch andere Milchspeisen kennt (in Süd-Russland Wertutes, Kaschnekes usw.). Es ist also 63) H. Grimme, Das isr. Pfingstfest und der Plejadenkult (Paderborn 1907) S. 106 f. u) Angeführt: Buxtorf, Synagoga Judaica, 3. Aufl. (Basel 1680) S. 444. 65) Mir nicht bekannt. Das „Berches" in sieben Spitzen weist eher auf die sieben Wochen hin, denen das Pfingstfest seinen Namen S e b u o t h verdankt; nach Anderen auf die sieben Himmel, die Gott bei der Offenbarung auftat, um zu zeigen, dass er allein der Qott sei. 68) Im Namen des Grossrabbiners von Saloniki berichtet von Kohlbach a. a. O.

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