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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1915-01-01 · 1-2 (1915) · p. Seite 13

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
18 (1915)
Issue
1-2 (1915)
Date
1915-01-01
Page
Seite 13 (sequence 15)
Language
German
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— 13 — 5. Pesach. Die Gebräuche des Seder-Abends, darunter auch die hochinteressanten Verschiedenheiten in der Bereitung des c h a r o s e t h,5ft) wollen wir aus unserer Schilderung ausschalten und wenden uns nur den charakteristischen Speisen zu. In der Suppe hat man vor allem •die weltbekannten Mazzeknödel, die, wie alle Mehlspeisen am Pesach, aus Mazzemehl gemacht werden und sehr schmackhaft sind, da mit Eiern und Fett nicht gespart wird. Im Jargon heissen sie „knejdlech". Zu Mittag hat man die leckeren Mazzekugeln, kleine Bomben in Kugelform, die man zu gut Deutsch Klösse nennen sollte. In der Tat nennt man z. B. in Schlesien, wie ich mir notiert habe, die sabbathliche Fleischkaule oder Fleischkigel (beides auch dort gebräuchlich) „Kloss", Mehrzahl „K'lösse". An anderen zu Pesach gebräuchlichen Mehlspeisen seien genannt: lejkech, Farfel, chremslech, ladki, gejle Mazze (belegte oder überzogene Mazze), wie überhaupt unsere Frauen in der Erfindung von immer neuen Speisen selbst'an diesem durch das Gesetz schwierig zu behandelnden Feste unerschöpflich sind. An Fleisch wird am zweiten Tage entweder zu Abend oder zu Mittag eine Ochsenzunge gegessen, als Erinnerung an den Galgentod der Söhne Hamans, die an diesem Tage gehängt worden sein und die Zunge herausgestreckt haben sollen.60) In Nordafrika isst man am letzten Pesachabend nicht Fleisch und Fleischiges, sondern Milch und Milchiges, und zwar geht man dazu in die Nachbarhäuser.6021) 6. Schabuoth. An diesem Feste wurde im Mittelalter in Deutschland und Frankreich ein Kuchen gebacken, der „Sinai" hiess, wahrscheinlich zunächst für die Kinder bestimmt, die an diesem Tage dem Studium der Thora zugeführt wurden und auf diese Weise die Annehmlichkeit dieses Studiums verkosten sollten.600) Selbst der Philosoph Jakob "b. Abba Mari A n a t o 1 i (Provence, 13. Jh.) gedenkt des Brauches, an diesem Feste Honig und Milch zu essen, weil die Thora mit Honig und Milch verglichen werde, und weil bekanntlich die Kinder in ihrem zarten Alter mit Milch gespeist würden.61) Auch Moses I s s e r 1 e s (RMA) in Krakau (16. Jh.) in seinen Glossen zum Schulchan Arukh erwähnt den Brauch, an diesem Feste „das Brot mit Milch anzukneten".62) Man sollte nicht glauben, dass dieser schlichte Brauch zu hochwichtigen mythologischen Folgerungen ausgebeutet werden könne: und doch ist es so. Das Unheil wurde im Kopfe eines 59) S. meine Talm. Arch 3, 58. Seder R. Amram (Warschau 1865) 1, 38. eo) Vadäsza a 0 60a) Isr. b. Jos. Benjamin (II.) M a s'e J i s r a e 1 (Lyck 1859) S. 126. 6°b) Minhagim 16a, s. Güdemann, Erziehungswesen 3, 112 und vgl. das. 1, 51 f. Den Teig erwähnt auch L. Modena in Lebh ha-Arjeh II, 1, angeführt in Ben-Jehuda, Thesaurus 1180 b oben. 61) Malmad ha-Talmidim (Lyck 1866) S. 121 b. 62) J. D. § 97, schon oben S. 5.

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