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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1915-01-01 · 1-2 (1915) · p. Seite 12

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
18 (1915)
Issue
1-2 (1915)
Date
1915-01-01
Page
Seite 12 (sequence 14)
Language
German
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— 12 — 3. Versöhnungstag. Der grosse Fasttag ist zwar wenig geeignet, volkstümliche Speiseriten hervorzurufen, aber ganz unberührt von ihnen blieb auch dieser Tag nicht. Die Riten beziehen sich freilich auf den Vorbezw. Nächabend. Das Mittagessen am Vorabend wird zeitlich eingenommen, damit man für das Nachmittagessen Raum gewinne. In Südrussland isst man zu Mittag Suppe mit „Farfel" (Färbel) und Kräplech (Täschchen). Aber in Ungarn, in den Kreisen, in denen ich aufgewachsen bin, gab es zu Mittag bloss das Kleine von den Kapparoth-Hühnern, während die „Farfel" erst nachmittags als dritte Speise nach Suppe und Braten figurierten. Jom-Kippur-Abend zum „Anbeissen" gibt es Kaffee mit dem obligaten Kuglhop; etwas später wird fleischig gespeist, wobei mit den Resten der Kapparoth-Hühner aufgeräumt wird. Jom-Kippur-Vorabend, am Hoschanna Rabba und am Purim werden in die Suppe die bereits erwähnten Kräplech getan. Die entsprechende Regel lautet im Jargon: Wenn me kepores erümschlogt, wenn me Schajnes ün Hörnen klapt, kocht me Flaschkräplech in de Süpp. Daran knüpft sich folgende Sentenz:58) Zü de Flaschkräplech setzt er sach, beim'Klapen ün Schlügen feit er aber. Ursprünglich wohl auf einen Lauen gemünzt, der es unterlassen hat, zum „Schajnes"- und zum „Homen"-Schlagen in „Schül" zu erscheinen, wird das Wort angewendet zur Kennzeichnung eines Menschen, der wohl des Lebens Annehmlichkeiten, nicht aber des Lebens Lasten auf sich nimmt. In talmudischer Zeit hat man am Vorabend Jom-Kippur Wert darauf gelegt, Fische zu essen, worüber eine artige Legende in Gen. R. 11, 4 p. 91 (ed. Theodor), vgl. Tosafoth b. Kethub. 5 a. Doch hat sich, nach anderen Versionen, die Sache am Rüsttage des Sabbath zugetragen, was auch viel wahrscheinlicher. Jedenfalls dient unsdies zum Beweise dafür, dass sich Essgebräuche schon in ganz früher Zeit festgesetzt haben. Solcher Fischgenuss am Vorabend Jom-Kippur wird heute nicht mehr geübt. 4. Laubhüttenfest. a) Die ersten zwei Feiertage isst man in Südrussland g o 1 u b z i (d. i. gehacktes Fleisch in Krautblätter eingehüllt); die Speise an sich ist auch in Ungarn als „gefülltes Kraut" ein beliebter Leckerbissen. Der Qenuss dieser Speise am Sukkoth hat wahrscheinlich nur den äusseren Grund, dass gerade die Zeit der Krautlese ist, ebenso verhält es sich auch mit dem Trinken des Mostes in manchen Gegenden, das am Simchath-Tora beliebt ist. b) Der Hoschanna-Rabba-Tag weist ein Menu für sich auf, wie schon oft erwähnt (bei Barches und Kräplech). c) Desgleichen Simchath-Tora, dessen Mittagsmahl hauptsächlich durch den leckeren Fladen charakterisiert wird. Das sogenannte „Chosen"-Mahl behandeln wir weiter unten. 58) Mir aus der Mitteilung in M. Zs. Szemle 23, 48 bekannt, von Ed. Vadäsz.

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