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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1915-01-01 · 1-2 (1915) · p. Seite 10

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
18 (1915)
Issue
1-2 (1915)
Date
1915-01-01
Page
Seite 10 (sequence 12)
Language
German
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— 10 — Blumenkohl, alles stark gewürzt, Fleisch, in Fett schwimmend, Rostbeef, Pudding. Vielleicht ist dieses Menu in Amsterdam oder sonstwo zu erweisen, denn die Gebräuche sind sehr verschieden, wie z. B. in den arabischen Ländern, die ein besonderes Menu aufweisen (sehr anschaulich geschildert in „Obadjas Reisebericht, Jahrb. 3, 203); in allen seinen Einzelheiten und als allgemeine „Judenkost" wird es schwerlich zutreffen. Aber die Angaben „gewürzt" und „in Fett schwimmend"46*) sind von der Art und dermassen aus der Wirklichkeit geschöpft, dass wir w. unten noch darauf zurückkommen müssen. 2. Neujahrsfest. Im Menu dieses Festes gibt es viele Hinweise auf den ernsten und dennoch so heiteren Charakter des Erlebens eines neuen Jahres. Das Wünschen und Hoffen eines glücklichen Jahres drückt sich in der sinnigen Wahl einiger Speisen aus,47) die, andeutungsweise schon in alten rabbinischeri Schriften erwähnt, in einem jüngeren Ausläufer48) derselben wie folgt kodifiziert werden: „Da es Anfang des Jahres ist, so pflegt49) man als gutes Omen solche Dinge zu essen, die darauf hinweisen . . . und zwar pflegt man hierzulande einen süssen Apfel zu essen, . . . den man in Honig taucht, und man spricht darüber: Möchtest du doch ein gutes und süsses Jahr uns bescheren! Auch pflegt man einen Kopf — und sei es selbst der eines Fisches — zu essen und spricht: Möchtest du doch uns zum Kopfe und nicht zum Schweife machen! Besser ist es schon, den Kopf eines Schafes zu essen. Auch isst man Qemüsearten, die (zu deutsch) Möhren oder Rüben50) heissen, weil das auf „Mehren" hinweist, und man spricht: Möchten sich doch mehren unsere Verdienste.51) Demgegenüber soll man nicht essen in Essig gekochte Dinge. Aber man isst fettes Fleisch und allerlei Süssigkeiten, nach Nehem. 8, 10. Alles des guten Omens wegen" . . . Daselbst heisst es noch, dass man am Rosch-ha-Schanah (bis nach Hoschanna Rabba) keine Nüsse isst, weil sie den Schleim und den Auswurf vermehren, was, so scheint der Sinn zu sein, den Frommen im Beten, vielleicht auch im richtigen Verhaltenin derSynagoge, hiderlichwäre; dochfinde, man auch die Angabe, dass egoz Nuss und cht(a) Sünde im Buchstabenwert zusammenfielen, wobei man nicht bedachte, dass auch t o b gut denselben Buchstabenwert habe, nämlich 17. Der 46a) In Ahrons „Lied vun die Kuggel" heisst es: Was mer Schabbes will geniessen— Muss vun Fett un Zucker fliessen. — Daselbst heisst es ferner: Un an Freitagsnacht nach Schul — . . . Setzt (er) sich bekowed in'n wachen Stuhl — . . . esst sein choschewe Hecht mit Kneedlcher — Un sein Gänsegrümpels mit Schlatten . . . 47) Zur runden Form des Berches s. oben S. 5. **) A. Danzigs ChajjeAdam§ 139, 6. Vgl. Sulhan Arukh 0. H. § 583, woselbst «die talmudischen Quellen am Margo: b. K e r i t h. 6a, H o r a j. 12a. 49) Das alles fällt unter den weiten Begriff des Brauchs (minhag). 50) Erinnert an die hebr.-aram. Wurzel rb, rbh mehren. Ähnlich schon im Talmud. öl) z k h j o t h, und nicht etwa geschäftlicher Erwerb.

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