Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 18 (1915)
- Issue
- 1-2 (1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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- 9 — innern soll. Der Weizenschalet", der an manchen Orten in Ungarn gebräuchlich ist,42) erklärt sich hieraus von selbst. Nach diesen mehr ins Einzelne gehenden Forschungen versuchen wir nun die sabbatlichen Normalgerichte der Juden zusammenzustellen. Zu Sabbat Eingang (Freitag abends) macht man b r k h a über die obligaten Berches, isst als ersten Gang Fische, dann Suppe, hierauf Fleisch mit „Eingemachts"43) und womöglich Obst (in Ungarn an den langen Winterabenden gekochte Kastanien). Sabbat zu Mittag seinem Hymens figurieren Berches, der viel bewunderte und auch viel gelästerte Schalet (besondersdie Kugel), Braten und irgenwelche noch w. unten zu erwähnenden charakteristischen Backwerke. Dieses Sabbatmittagsmahl ist es, das Heine in seinem Hymnus „Prinzessin Sabbat4'14) in unübertroffener Weise besungen hat: „Schalet, schöner Götterfunken, Tochter aus Elysium!" Also klänge Schillers Hochlied, Hätf er Schalet je gekostet. Schalet ist des wahren Gottes Koscheres Ambrosia, Wonnebrot des Paradieses"--usw. Am Sabbat gibt es bekanntlich noch ein obligates „drittes" Mahl (schlsch ss'udoth vulgär schales ssudes), welches in den letzten Nachmittagsstunden gegessen wird und für welches namentlich an den kurzen Wintertagen schwer ein Raum gefunden werden kann. Man fertigt es darum auch leicht ab, und zumeist begnügt man sich mit einem kleinen „Berches" mit etwas rohem Gemüse dazu.44a) Soll aber des Hungers wegen gegessen werden, so nimmt man kalte Speisen (Fische oder Braten) von dem, was vom Abend oder Mittag übriggeblieben. Dieses „dritte" Mahl, welches im Westen in den Grossstädten fast obsolet geworden ist, wird in frommen und namentlich chassidischen Kreisen umsomehr festgehalten, und es Hesse sich von dessen Begehung gar so manches sagen; da es sich jedoch nicht um charakteristische Speisen handelt, so lassen wir die Sache hier unberührt. Noch zu Sabbat Ausgange, als „Mahl der Begleitung der Königin", gibt es gewisse Essgepflogenheiten,45) die aber meines Wissens keine festen Formen angenommen haben. Wie schon angedeutet, wurden Schalet und Kugel auch in Lied und Gesang verherrlicht, und es ist heute keine Seltenheit mehr, dass z. B. das Menu des Sabbateinganges in Dramen auch auf die Bühne gebracht wird. Die „Judenkost" beschreibt u. a. auch Herman Heyermans in seinem Stücke „Ein Judenstreich",40) und nach ihm isst man am Freitag abends: Jiddensupp, Spargel, 42) M. Zs. Szemle 27, 369. 43) Man hört im Jargon auch „einmach", „eimoch" sprechen. 44) (Werke in Meyers Klassikerausgaben 1, 436). 44a) In Deuschland (Rheingegend) waren im Sommer hartgesottene Eier beliebt (Maharil p. 28a), die man mit Petersilie und Essig ass. Berliner, Aus dem inneren Leben der deutschen Juden im Mittelalter (Berlin 1871) S. 23, erwähnt noch, dass diese Mahlzeit, marendar genannt, zuweilen auch in Fischen oder Geflügel, auch in Pasteten und Früchten bestand. Vgl. B e r 1 i n e r im Jahrb. für j. Gesch. u. Lit. 1910, S. 105. 45) Siehe in den Minhag-Büchern. . 46) Holländisch, deutsch übers. Wien u. Lpz. 1903 S. 87.