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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1915-01-01 · 1-2 (1915) · p. Seite 6

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
18 (1915)
Issue
1-2 (1915)
Date
1915-01-01
Page
Seite 6 (sequence 8)
Language
German
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- 6 dass der für den Sabbath gereizte Backofen der jüdischen Hausfrau auch Pasteten und Fladen enthielt, wie dies speziell u. a. am Ausgange des Mittelalters aus Mainz berichtet wird (Tur und Schulchan Arukh J. D. § 97), ein Zeichen des Wohllebens, das nicht zu verachten ist In der gleichen halakhischen Frage erfahren wir, dass man zu Schabuoth mit Milch geknetetes und am gewöhnlichen Sabbath mit Fett angemachtes Brot im Ofen zu haben pflegte, ohne dass man befürchtet hätte, dass das solcher Art beschaffene Brot irrtümlich mit heterogenen Speisen — milchig mit fleischig und umgekehrt — verspeist werden würde, und zwar darum nicht, weil seine Form entsprechend anders gestaltet war (R. M. A. in S. A. am angeführten Orte). Die hier genannte spezielle Brotform kommt im Talmud (b. Menach. 75b) aramäisch als thoriha d'nhma vor. In bezug auf das einstmalige Speiseopfer, auf das amPesachabend zu geniessende ungesäuerte Brot, auf den zu sprechenden Segensspruch usw. usw. war es nötig zu wissen, ob die vorliegende Speise ein Brot, ein Backwerk oder sonst etwas ähnliches sei. Da wird z. B. (das.) von dem Gericht ch'biza gesprochen, das wir, freilich in besonderem Sinne, „Eingemachtes" nennen könnten; es wurden nämlich Brotkrumen in Gemüse „eingemacht" (eingepresst), ein Gericht, welches nach R. Gersom (z. St.) it. p a n i c a t a,28) nach Raschi (z. St.) altfr. S c h 1 i n q o q (d. i. etwa chälorcoct e28a) hiess. Wir haben hier die Namen von zwei mittelalterlichen Brotspeisen, die den Juden romanischer und vielleicht auch germanischer Zunge jedenfalls bekannt gewesen sein mussten. Um noch weiter bei Brot und den Romanen zu bleiben, fügen wir hier folgenden charakteristischen Zug an: Von dem Chachambaschi (Oberrabbiner) der Spagniolen zu Sarajewo in Bosnien erzählt Franz Maurer ,29) dass er sogenanntes „spanisches Brot" aus Eiweiss und Zucker bei sich führe, welches er den Leuten, mit denen er sich unterhält, zu kosten gibt, um ihnen damit zu beweisen, wie schön es seine Vorfahren in dem herrlichen Spanien hatten. Ich weiss nicht, ob das dasselbe Brot ist, von welchem der Oberrabbiner von Saloniki berichtet, es sei am Sabbath nur im Hause der Vornehmen gebräuchlich, sei aus feinem Mehl gemacht, mit Ei bestrichen und mit Mohn bestreut, sei infolge des guten Gährens so geschwollen, dass es innen ganz^hohl sei, und es schmecke auch vorzüglich.30) Sabbat zu Mittag isst man die berühmte „Kugel" (Kuggel, kigl usw.), die einen Teil des noch berühmteren Schalet bildet.31) Diese in Fett schwimmende Mehlspeise dient allen denen als Schulbeispiel, welche von der Üppigkeit der jüdischen Kost sprechen, und sie stellt ah die Verdauungstätigkeit des Magens tatsächlich hohe Anforderungen. Unsere Frauen verstehen diese sonst aus Mehl bereitete 28) S. Revue des Etudes Juives (= REJ) 43, 85. 28a) Lies s c h 1 o r q o q[t] chälor chaleur + cocte. 29) Reise durch Bosnien S. 337, angeführt bei- R. Andree, Zur Volkskunde der Juden, S. 102. 30) Mitgeteilt von Kohlbach a. a. 0. 31) Ahrons, Das Lied vun die Kuggel. Ein Scherz. (Jüdische Parodie auf Schillers Lied von der Glocke. 3. Aufl., Altona o. J.) Eine andere Parodie, gleichfalls jüd.-deutsch, Lied von der Kugel, s. in M. Zs» Szemle 21, 167 f.

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