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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1915-01-01 · 1-2 (1915) · p. Seite 5

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
18 (1915)
Issue
1-2 (1915)
Date
1915-01-01
Page
Seite 5 (sequence 7)
Language
German
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— 5 — Herr B. Kohlbach,23b) trotzdem er seine Theorie mit aller Ausführlichkeit zu stützen sucht. Wie in aller Welt soll dar'getan werden, dass die jüdischen „Berches,, einen Opfercharakter haben? Und wie ist es denkbar, dass in die jüdischen Häuser, wohlgemerkt in die jüdischen Häuser des germanischen Mittelalters,- auch nur der leiseste Anstrich eines heidnischen Opferbrauches24) hätte Eingang finden können? Und wozu solche „Berches" auch am Purim, am Simchath-Tora, ja zu jeder „ssude" (chebra-suda etc.)? Und das alles nur, weil unser „Berches" in Deutschland zufällig Zopfform25) hat, während man in ausserdeutschen Kreisen gar nie an ein weibliches Zopfopfer denkt! Oder meint denn Kohlbach, dass die alten slavischen Frauen nichts von dergleichen wussten? Gewiss hatten auch sie einen solchen Brauch, aber den Juden fiel es nicht ein, sie in irgendeiner Form zu kopieren. Anders ist es, wenn, wie ich dargetan habe, nur der Name des Brotes aus dem Altgermanischen herrührt; da haben wir es eben mit einem Ausdruck zu tun, den die Juden und vorzugsweise die Juden bewahrt hätten, eine Erscheinung, die wahrlich nicht vereinzelt dasteht. Was noch ausserdem von unserem „Berches" in volkstümlicher Beziehung zu sagen ist, ist in ein paar Worten erschöpft, zumal die Sache durch das praktische Leben zur Genüge bekannt ist. Die c h a 11 a der Sephardim ist entweder rund oder viereckig, aber unser „Berches" ist zumeist länglich,26) nur zwischen Neujahr und Hosanna Rabba macht man es rund, zum Hinweis auf das glatte Rollen des Jahres, das man in diesen „kritischen" Tagen erhofft. In beiden Formen pflegt man das „Berches" mit Mohn zu bestreuen, und obzwar man auch hierin versteckte Anspielungen finden will, so wollen wir die Sache doch nur so auffassen, dass damit nur der Geschmack des feinen Brotes gehoben werden soll. Im Sommer übrigens, da der Mohn „milbig" wird, halten sich die Frommen von dessen Genuss zurück. Das Beschmieren der Oberfläche mit Ei ist auch nur ein gewöhnlicher backtechnischer Vorgang. Eier werden ausdrücklich genannt bei den Broten des Beschneidungsmahles (w. unten). Der Umstand, dass die Dezisoren darüber zu entscheiden haben, ob die „zu Ehren des Sabbaths" gebackenen Brote mit „Pasteten" und „Fladen" — diese beiden Worte stehen in den Quellen27) — zusammen gebacken werden dürfen, lässt jedenfalls darauf schliessen, 23b) Die Tatsache, dass auf jüdischen Gläsern in Katakomben runde Brote mit Punkt in der Mitte (also mesomphala Polyb. 6, 25) gefunden wurden (G a r r u c c i Tafel 490, 6) u. z. auch in Sizilien in Gemälden der j. Katakomben (Rom. Quartalschr. 1900, 14, 208) — hat sich Koh Ibach übrigens entgehen lassen. 24) Man berufe sich nicht auf das „Kappores-Schlagen", denn da ist der Zweck klar, und insofern hat auch der heftigste Widerspruch sofort eingesetzt. 25) Das ist, wie wir bereits wissen, nur cum grano salis wahr, denn unsere „Berches" können auch ebenso gut ärmelförmig genannt werden. 26) Übrigens in Ungarn auf dem Lande ebenso oft rund. 27) In Josef Karo zu Tut J. D. 97 kommt die Form fldonis faldones und tribid trepied Dreifuss vor; ib. noch pa 1 h p a 1 a Schaufel. Zur „p a s d i d a" am Freitag Abend s. weiter unten. Siehe das. auch Darke Möschen. Der ganze Paragraph verdiente in backfechnischem Sinne bearbeitet zu werden. Sowohl die Tatsachen, als auch •die fremdsprachlichen Ausdrücke stammen aus älteren Quellen.

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