Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 18 (1915)
- Issue
- 1-2 (1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 4 — bes,tand wurde schon früher erkannt,21) und dies ist der beste Beweis^ dass wir uns auch in Betreff Berches b e r g i t auf gutem Wege befinden. Der beste Kenner der sogenannten „Gebildbrote" ist heute Dr. Max H ö f 1 e r, der dieses Gebiet in zahlreichen Artikeln der Berliner „Zeitschrift des Vereins für Volkskunde" bearbeitete,22) der aber gleichwohl ein „Zopfbrot" im Dienste der alten germanischen Berchta nicht kennt. Auf eine direkte Anfrage23) hat auch Dr. Schermann in München wie folgt geantwortet: „Obwohl ich von vornherein an keinen Zusammenhang mit dem Prechtakult glaube, habe ich eigens noch Frau Prof. Marie A n d r e e befragt und mir von ihr bestätigen lassen, dass dieser Kult keinerlei Zopf- Backwerk kenne." Die Anlehnung von „Berches" an Berchta erscheint hiermit abgetan. * Aber erst die jüngste Zeit hat bewiesen, dass dieser „Zopf" aus unserer Mitte nicht gewichen ist. Bertold Kohlbach in Budapest, ein Mann, dem wir sonst sehr gediegene volkskundliche Abhandlungen zu verdanken haben, hat, obzwar er selbst den Zusammenhang mit dem Berchtakult widerlegt, von der angeblichen Zopfform unseres „Berches" ausgehend, zu erweisen gesucht,23a) dass wir es hier gewissermassen mit einem Zopfopfer zu tun haben, das die jüdische Frau allwöchentlich anstelle ihres eigenen Haarzopfes darzubringen sich veranlasst fühlt. Die germanischen Frauen, so ist sein Gedankengang, haben in alter Zeit der Göttin der Fruchtbarkeit ihre Haarflechten zum Opfer gebracht; als das später im Christentum nicht mehr anging, wurden dieselben mit zopfartigen Backwerken ersetzt. Nun meint aber H ö f 1 e r, „die ausgezeichnetsten Zopfformen stellen die jüdischen Backformen auf; diese haben die eigentliche Zopf form — Haarzopf-Typus — am meisten zum Ausdruck gebracht." Die jüdische Frau, der das Haar entweder abgeschnitten oder „bedeckt" wurde, konnte unmöglich ihr eigenes Haar opfern wollen, und so gab sie sich alle Mühe, dem Opferdrange ihres Herzens durch Darbringung von kunstvollen Teigzöpfen gerecht zu werden, und so schuf sie namentlich zu Purim, zu Simchath-Tora, zu Hochzeiten, Beschneidungen und Erstgeburtlösungen (p i d j o n h a - b e n) die kunstvollsten Zopfteige. Auf den ganz harmlosen rabbinischen Ausspruch in der Mischna (Sabb. 2, 6) gestützt, versteigt sich nun Kohl b ach zu der Behauptung, die jüdische Frau hätte schon in Kleinasien (so) die Sitte gehabt, der Göttin der Fruchtbarkeit zu opfern, und dieser fast vergessene Brauch habe durch den Berchta- (vielleicht auch durch den Borkelt-)Kult in Form des „Berches" eine neue Nahrung erhalten. Für sich selbst hätte sie mit dem Verbrennen der Teighebe (challa) geopfert, doch wollte sie auch ihre Kinder schützen, und dies tat sie durch Bereitung der zopfartigen Sabbathbrote. Wenn hier die Logik nicht klappt, so bin ich nicht schuld daran, und auch nicht die Kürze dieses Auszuges, sondern einzig und allein 21) Kaufmann Kohl er in Jewish Encyclopedia (= JE) 2, 529. In Sachen von Berches Berchta Zöpfl bleibt aber auch K. auf dem alten Wege. 22) S. daselbst im 9., IL, 12., 13., 14., 15. und 17. Bande. 23) Durch B. Kohlbach (vgl. oben Anm.). *3a) In der oben angeführten Abhandlung.