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Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde · 1915-01-01 · 1-2 (1915) · p. Seite 3

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Journal
Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
Volume
18 (1915)
Issue
1-2 (1915)
Date
1915-01-01
Page
Seite 3 (sequence 5)
Language
German
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— 3 - dünne Teig ist im Nu gebacken und kann auch sofort verspeist werden. In der Tat erscheint in der Bibel13) das Wort c h a 11 a häufig in Verbindung mit dem Worte m a z z a. Daraus ergibt sich mit Notwendigkeit die Folgerung, dass dasjenige Sabbathbrot, welches unser Volk c h a 11 a nennt, dem Ursprung nach fladenförmig sein musste, obzwar ich nach Berichten und nach dem heutigen Befund es nicht erweisen kann, dass die „Berches" tatsächlich irgendwo und zu irgend einer Zeit so ausgesehen haben oder so aussehen. Ganz anders sieht das Brot aus, welches wir in deutschen Gegenden als „Berches" bezeichnen. Wie männiglich bekannt, ist es ein Backwerk in Form von zwei ineinander geschlungenen Armen,14) also ungefähr dasjenige Backwerk, welches zu deutsch Brezel, Prezel, Bretzel, Bretzen usw. heisst15) und welches bekanntlich aus mittl. lat. bracellus, brachellus (d. i. Ärmchen) abgeleitet wird. Dasselbe Backwerk hiess aber althd. brezitella, brezita, bergita,16) und da haben wir den Ahnen unseres Berche s.17) Unser „Berches" stammt von althochdeutschem bergit, berchit, und nur die bekannte physiologische Einwirkung des r-Lautes macht es, dass wir auch „Barches" mit a-Laut sprechen. Daraus erklärt es sich mit einem Schlage, dass wir „Berches" nur in deutschen Landen finden, nicht aber in sephardischen Kreisen und auch nicht in slawischen Gemeinden. In diesem Belange verdient es beachtet zu werden, dass in Verbindung mit dem Sabbathbrote schon im 15. Jahrhundert der Ausdruck zeml Semmel gebraucht wird (Leket Joscher 1, 49). „Gebäck hat je nach der Form den Namen" (Klug e). Diese Binsenwahrheit hilft uns auch, den in unserer Mitte gebräuchlichen anderen Namen des „Berches" zu erklären. Dieses heisst nämlich auch „Taatscher" oder „Datscher",18) was mit „Teutsch" oder „Deutsch" nichts zu tun hat, wie gleich ersichtlich sein wird. In der Gegend von Frankfurt a.M. spricht das Volk von Judentartscher"19), und da führt uns die Form „Tartsche" notgedrungen auf franz. t a r t e, it. und span. t o r t a (von lat. t o r t u s „gedreht"), zu deutsch Torte, was ursprünglich ein ringförmiges Backwerk war (wie auch die alte challa), jetzt aber ein platter Kuchen ist.20) Dieser Sach- 13) S. die Konkordanzen und Wörterbücher. 14) Nicht von Haarzöpfen (s. weiter unten!). 15) Auch ung. p e r e c. 16) Heyse, Wb. der deutsch. Sprache (1833) und Kluge, Etym. Wb. der deutsch. Sprache, 5. Aufl. (1894). 17) Bretzel in jüdischen Gemeinden können wir sogar geschichtlich belegen, wie die Nachweise bei Güdemann, Erziehungswesen 3, 133 ergeben. 18) Das Wort pflegte man früher aus dem „Pasuk" (Schriftwort) (Spr. 10, 22) zu erklären, eine Schriftstelle, die von den Rabbinen (Genes. R. 11, 1; j. Berakh. 2, 7 fol. 5b) auf Sabbath (doch nicht auf Sabbathbrott) bezogen wird. Aus dem ersten Worte desselben „Pasuk" wurde übrigens auch „Berches" erklärt. 19) M. H ö f 1 e r, das Haaropfer in Teigform, Archiv für Anthropologie, N. F., 4, 130. 20) So in Meyers Konversationslexikon 6. Aufl. unter Torte.

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