Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 18 (1915)
- Issue
- 1-2 (1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 2 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 2 — aus der Bibel stammen (s. III. B. Mos. 24, 5 und vgl. II. B. Mos. 16, 22 und 26, s. Talmud b. Sabb. 117b und vgl. Schulchan Arukh O. Ch. § 274); doch gibt es sephardische Kreise, in denen die Sabbatbrote, die übrigens die runde Form sonstiger Brote haben, gar keinen besonderen Namen führen.6) Bei den persischen Juden ist gleichfalls der gut biblische Ausdruck c h a 11 a im Gebrauche, wie man der Mitteilung eines unserer Reisenden entnehmen kann,7) und hierin weichen ausnahmsweise auch die slavischen Juden8) von ihren deutschen Vorbildern ab, indem auch bei ihnen nur c h a 11 e Mehrzahl c h a 11 o i s im Schwange ist, und dasselbe ist der Fall in solchen Gegenden Deutschlands (z. B. in Königsberg und Graudenz) und Ungarns (z. B. im Komitate Zemplen), welche lange Zeit hindurch dem slavischen Einflüsse ausgesetzt waren.9) Die Benennung c h a 11 a ist ohne weiteres verständlich, und zwar aus folgenden Gründen: Die Juden assen mit Vorliebe warmes Brot,10) wie noch heute im Orient, und da ist es selbstverständlich, dass um so mehr für den heiligen Sabbath frisches Brot gebacken wurde. So erfahren wir bereits aus dem Talmud (b. Taan. 24b), dass die fromme jüdische Hausfrau den ganzen Brotbedarf der Woche am Sabbathvorabend zu backen pflegte, damit sie eben am Sabbath frisches Brot auf den Tisch geben könne. Dies ist in vielen ländlichen Häusern bis auf den heutigen Tag so geblieben. In dieser Brotbackarbeit wurde natürlich auch die Pflicht der Teighebe fällig, eine Abgabe, die (nach IV. B. Mos. 15, 20) eben c h a 11 a hiess und die heute, nach der Zerstörung des Tempels, auf die Weise geleistet wird, dass man die challa in das Feuer wirft (Schulchan Arukh J. D. § 322, 3). Also kommt die jüdische Hausfrau allwöchentlich am Freitag in die Lage, das Gebot der challa erfüllen zu können, eine Tat, die zu einer ihr speziell obliegenden Pflicht erklärt wurde (Mischna Sabb. 2, 6). Von hier aus war es bloss ein kleiner Schritt, das ganze Sabbathbrot challa zu nennen. Von der Art, wie im Altertume und noch heute im Orient das Brot gebacken wurde beziehungsweise gebacken wird11), macht man sich am besten eine Vorstellung, wenn man einmal unser Mazzesbacken sich ansieht; da wird ein dünner Fladen12) auf den heissen Boden des Ofens gelegt (zuweilen direkt auf glühende Kohlen), der 6) Die Spagniolen pflegen übrigens, wie ich durch Erkundigungen erfahren habe, auch 12 Brote an den Tisch zu legen, offenbar in Anlehnung an das le ehern hapanim, vgl. III. B. Mos. 24, 5. Sie backen ferner am Freitag kleine Brote, die sie p i 11 i c a s (von p a t h?) nennen und den Armen geben. 7) E. N. Adler, Jews in many lands p. 179. 8) Vgl. c h a 1 u pl. c h a 1 o j s s (so) in dem Glossar zu J. Bernstein, Jüd. Sprichwörter und Redensarten (Warschau 1908). 9) Ich entnehme diese Tatsache einer interessanten und hier noch weiter zu benützenden Abhandlung von B. Kohlbach („Gebäcke im jüdischen Ritus"), die in ungarischer Sprache in Evkönyv (Jahrbuch der isr. ung. lit. Gesellschaft), Budapest 1914, erschienen ist (S. 146—162). 10) S. meine Talm. Arch. 1,104. ") Solch leichtes Fladenbrot pflegt auch hierzulande gebacken zu werden; auch meine Mutter buk es jeden Freitag beim grossen Backen, und da es alsbald fertig war, assen es die Kinder schon beim Beginn des grossen Backens. 12) Lat. placenta, wovon unser Platzinten (Palatschinten).