Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Journal
- Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde
- Volume
- 18 (1915)
- Issue
- 1-2 (1915)
- Date
- 1915-01-01
- Page
- Seite 1 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Aus der jüdischen Volksküche. Von Prof. Dr. S. K r a u s s in Wien. Nach dem Schema, das in seiner bekannten exakten Art Immanuel Low von den jüdischen Speisen und Getränken in Sitte und Satzung in dieser Zeitschrift1) gegeben, will ich auf Grund der von mir gesammelten Notizen, die aber begreiflicherweise auf Vollständigkeit durchaus keinen Anspruch erheben, die nachfolgende Übersicht vorführen. Nur von Trinksitten, diätetischen Gedichten, vom Aberglauben in Betreff der Speisen, von Luxusverordnungen der Gemeinden und dgl. mehr ist vorderhand abgesehen worden. A. L Sabbat und Feiertage. 1. Sabbat. Das Mahl des Sabbateinganges ist hauptsächlich durch die bekannten „berches" charakterisiert. „Berches2) ist in ganz Deutschland (mit Ausnahme einzelner Provinzen) und noch weit über Deutschlands Grenzen hinaus die unter Juden übliche Bezeichnung des Sabbatbrotes, also desjenigen Weissbrotes, das, nebst dem Wein, die Bestimmung hat, den Sabbat vor den übrigen Tagen auszuzeichnen. Mit der Benediction, die beim Anbrechen dieses Brotes gesprochen wird, steht „Berches" nicht in Zusammenhang, da derselbe Segensspruch bei j e d e m Brote gesprochen wird, auch würde es alsdann nicht Berches heissen; vielmehr hat sich in dieser Benennung der Name der altgermanischen Perchta3) erhalten, deren Name als Berche auch sonst in einzelnen Gegenden in Verbindung mit gewissen Speisen vorkommt.4) Berches 5) ist ohne Zweifel eine Abkürzung aus Berchesbrot oder Perchisbrot, mit welchem Brote der „Berches" auch mit Bezug auf die eigentümliche Gestalt Ähnlichkeit hat Die sephardischen Juden kennen den Ausdruck „Berches" nicht, und so ist es auch von hier aus unwahrscheinlich, dass er mit seinen Wurzeln auf hebräischem Boden steht. In sephardischen Kreisen kennt man nur den Ausdruck „Kuchen" bzw. „doppeltes Brot", die *) Mitteil. der Gesellsch. f. j. Volkskunde, Jahrg. 1901, Heft 8, S. 184. Chanukka fehlt bei I. Low. Die reichhaltige Liste von Speisen in den Mitt. 1, 100 ff. setze ich als bekannt voraus. 2) So schreibt M. Grünbaum, Gesamm. Aufsätze zur Sprach- und Sagenkunde, S. 229. 3) Davon bekanntlich unser Bertha, Berta, wie auch Berchtold, Bertold. 4) Grünbaum citiert Simrock, Handb. d. deutsch. Mythol., 1. Aufl. p. 424. 550; 3. Aufl. p. 379. 5) Ich bemerke, dass man hierzulande „Barches" sagt, was schon an sich der Grünbaum'schen Theorie nicht günstig ist.